Kindersachen

Anzug Haalari zum Immertragen

Im April lief das Näähglück-Probenähen für den Einteiler „Haalari“, das ich gern mitmachen wollte. Mein fast sechsjähriger kleiner Stöpsel wollte gern so einen Anzug „mit Füßen“ und Reißverschluss. Gut, dass ich ihn gefragt habe – ich hätte nie Füßlinge für einen Sechsjährigen gewählt, und wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte ich eine Druckknopfleiste gewählt. Mit Reißverschlüssen an dehnbaren Stoffen habe ich nur gelegentlich Waffenstillstand.

Aber gut. Den Stoff hatte ich schon vor Längerem gekauft, als der Einteiler-Schnitt in Aussicht gestellt wurde. Auch da war ich überrascht, dass meinem Großen die Herzchen gefallen, aber er fand den Stoff toll. Leider hatte ich zu wenig gekauft, um auch die Ärmel daraus zuschneiden zu können, aber mit weißem Jersey kann man immer kombinieren…DSC_0292Den ersten Anzug habe ich genäht, als schon der Schnitt freigegeben war, aber noch keine Anleitung zur Verfügung stand. Mir kam das eigentlich machbar vor, ohne Anleitung zu arbeiten. Der kleine Stöpsel war beim Nähen 126 cm groß, ich habe in der ersten Variante Größe 128 genäht. Das Nähen ist im Großen und Ganzen nicht kompliziert, nur die ellenlangen, schmalen Schnittteile waren ungewohnt in der Handhabung. Bevor irgendwelche Seitennähte geschlossen werden, näht man das Halsbündchen an, das vorn in charmanten Ecken endet. Die gefielen mir schon beim Vorgänger-Schnitt „Winterschlaffein“ so gut (siehe hier am Stöpselchen).

Ich habe anschließend den Reißverschluss angenäht, und auch das lieber noch mit offenen Seitennähten, damit ich die Teile besser unter die Nähmaschine kriege. Der Reißverschluss wird mit Untertritt gearbeitet, das fand ich schon mal gut. Noch besser gefallen hat mir der Druckknopf-Fortsatz am oberen Ende des Untertritts. Manchmal sind meine Endlos-Reißverschlüsse zu weich, um dem Bewegungsdrang der Kinder standzuhalten, und dann ist so eine Knopfsicherung am oberen Ende Gold wert.DSC_0290Doof von mir war nur, dass ich dabei nicht die Anleitung abgewartet, sondern ganz euphorisch sofort losgenäht habe. Der Fortsatz soll innen liegen, also sollte von außen nur der Druckknopf zu sehen sein. Das hatte ich nicht erkannt. Bei meinem Ergebnis ist der Umschlag, also diese „Reißverschlussgarage“, jetzt etwas sehr lang.DSC_0289Mir gefällt es, aber gedacht (und ideal) wäre es anders.

Den Reißverschluss habe ich bis etwa fünf Zentimeter vor der Schrittnaht genäht. Auch dabei habe ich zu wenig nachgedacht und die Reißverschlusskante abgesteppt, bevor ich die Seiten- und Frontnähte geschlossen habe. Damit hatte ich ja dann die Nahtzugabe fixiert, die ich dringend gebraucht hätte, um die vordere Naht von unten bis zum Reißverschluss zu schließen.DSC_0295Zum Glück war mein Untertritt länger, ich habe also ein kleines Stückchen wieder aufgetrennt und hinter dem Rest meinen Untertritt festgenäht. Besonder elegant sieht das aber nicht aus, und mein einziger Trost ist, dass diese Stelle beim Tragen so weit in den Schritt rutscht, dass man es dann nicht mehr sieht. Da habe ich eindeutig noch Lernpotenzial!DSC_0296An den Füßen war ich erst mal überrascht, dass der Beinsaum viel weiter ist als der Ansatz der Füßlinge. Mit etwas Nachdenken fand ich das dann aber doch geschickt, weil sonst der Füßling ja nicht am Fuß sitzen bleibt, sondern abrutscht. Ich habe die Füßlinge also mit Dehnung ans Bein genäht.DSC_0284So sitzen sie jetzt wie eine zweite Haut am Fuß, während das Bein direkt darüber schön lose sitzt und sich beim Tragen auch gemütlich nach unten aufräufelt.DSC_0285Als später die Anleitung kam, habe ich entdeckt, dass im Ideal-Anzug innenliegende Bündchen am Beinende sind, die Bein und Füßling an den richtigen Stellen halten. Gut, die wollte ich nicht mehr nachträglich einnähen, aber die Passform des Füßlings ist so gut, dass da bisher auch nur unter Hochbelastung etwas gerutscht ist.

Der kleine Stöpsel ist mit seinem Anzug total glücklich, hat ihn nach dem Passform-Test nur widerwillig ausgezogen, als wir das Haus verlassen wollten, und anschließend für 30 Stunden am Stück wieder angezogen.DSC_0287Mich freut, dass man auch ein so „großes“ Kind noch mit einem Kuschelanzug glücklich machen kann, und da der Schnitt bis Größe 164 geht, kann ich das noch lange. Außerdem sind für meinen Geschmack viele nette, durchdachte Details an dem Schnitt, mit denen mir das Nähen Spaß macht – der Halsbündchen-Abschluss, die gut sitzenden Füßlinge, der Untertritt mit Knopf-Fortsatz. Allerdings wäre ich auch nicht böse, wenn er sich mal einen Anzug mit Druckknöpfen wünschen würde…

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Das Schnittmuster Haalari wurde mir während des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt. Über mein Näherlebnis schreibe ich immer ehrlich.

2 Kommentare zu „Anzug Haalari zum Immertragen

  1. Super das du die Details so genau zeigst, das macht Freude zu lesen wie alles entstanden ist und wie schön das dein Sohn so viel Freude damit hat. Hier gibt es dafür keinen Bedarf – allein beim Ansehen schwitze ich schon und das Kind ist genauso. LG und viele schöne Kuschelstunden. Ingrid

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    1. Hallo Ingrid, wir wundern uns auch immer wieder, woher das Kind seine Fröstelei hat. Manchmal zieht er heimlich zwei Unterhemden übereinander – bei 20 Grad… 😉
      Ich finde, meine misslungenen Erstversuch-Details gehören irgendwie dazu. Heißt ja nicht umsonst „Leben und LERNEN mit Nadel und Faden“… Aber Danke!
      Liebe Grüße!

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