Allgemein · Für Erwachsene

Premiere nach vier Jahren

Mein Opa ist im Januar neunzig Jahre alt geworden. Das finde ich ein stolzes Alter, und deshalb wollte ich ihm gern etwas von Herzen schenken. Das ist nicht so einfach; mein Opa hat sechs Kinder, dreizehn Enkel und acht Urenkel, kann sich also vor Gratulanten und Schenkern kaum retten, und braucht auch eigentlich nichts außer der Gesellschaft meiner Oma. Außerdem ist er ein „alter Herr“, wie er im Buche steht. Richtet seiner Frau den Schal, geht niemals ohne Taschentücher aus dem Haus, und ich kann mich nicht erinnern, dass ich ihn je im Leben im T-Shirt gesehen habe.

Ich habe mich für etwas Selbstgemachtes entschieden. Persönlicher geht kaum. Fürs Basteln bin ich nicht begabt genug; das, was ich da bieten kann, ist nicht altersgerecht. Nähen klappt aber inzwischen gut, und passend zum Attribut „alter Herr“ habe ich den Pullover „Mr. Klassik“ von Konfetti Patterns gewählt. Entgegen meiner Natur ist der Pullover schlicht, dunkel, einfarbig und fast ohne Extras. Selbst die Bündchen haben exakt den gleichen Farbton wie der Stoff.dsc_0669Schließlich soll das ein Kleidungsstück sein, das „mann“ auch mit neunzig in der Öffentlichkeit tragen kann und will.

Ganz ohne individuelle Note fand ich dann aber für mich nicht authentisch und habe das am Kragen ausgelebt. Für den Innenstoff hat der Stöpselpapa ein selten getragenes Oberhemd gespendet, das ich mit der Knopfleiste als Stoffbruch zugeschnitten habe. Der schwarz-weiße Stoff verträgt sich schön mit dem grauen Sweat, bietet nun aber von hinten einen Hingucker.dsc_0670-2Der Schnitt ist außerdem konzipiert für eine Paspel im Rückenteil, in die noch ein Aufhänger eingenäht wird. Das fand ich in diesem Fall nicht ganz zielgruppengerecht und habe statt der Paspel eine Ziernaht auf die Teilung gesetzt. Das gefällt mir jetzt wirklich gut.dsc_0671-2Und dann hat tatsächlich zum allerersten Mal geklappt, worauf ich jedes Mal beim Nähen hoffe und was immer, echt immer – früher oder später – scheitert: Das fertige Kleidungsstück ist in meinen Augen makellos. Ich finde keinen Fehler. Die Nähte passen ohne Versatz aufeinander, ich habe gerade und sauber abgesteppt, das sorgfältige Zuschneiden hat sich vor allem am Kragen gelohnt, wo alle Ecken und Kanten so aussehen, wie sie sollen. Ich freu mich tierisch, dass bei gerade diesem Stück meine Premiere eingetreten ist. Jetzt kann ich prima wieder ein paar Monate mit meinen makelbehafteten Nähergebnissen leben, weil ich weiß, dass es auch klappen kann.

Verlinkt zu „Für Söhne und Kerle“

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