Kindersachen

Fehlersuche beim Sachensucher

Beim Menschen(s)kinder-Sew-Along hatte Karin von Grüner Nähen – Bunter Leben eine Sachensuchershorts für ihren Sohn genäht, nach einem Freebook von Fabelwald. Die fand ich mal was anderes als die meisten Pumphosen und einfachen Kurzversionen und habe sie direkt auf die Nähliste gesetzt. In der Woche nach dem Sew-along-Finale habe ich mich ans Werk gemacht.

Die kleinen Stöpsel haben sich einen Stoff ausgesucht, den ich im Japan-Urlaub gekauft hatte: kleine Autos in eher japanischem Format auf jeansblauer Webware. Auf der Webkante steht „Made by Japan“ – da habe ich mich gefragt, ob die Englischkenntnisse der Hersteller nicht für den Unterschied zwischen „in“ und „by“ gereicht haben oder ob das ein staatliches Produkt ist… Na wie auch immer, der Stoff ist schön und stabil, und er hat etwa vier Euro pro Meter gekostet. Was kann man da falsch machen?

Das Freebook bietet etliche verschiedene Varianten, und ich habe mich im ersten Anlauf für zwei gleiche Hosen (in verschiedenen Größen) nach der Basisvariante entschieden: umgeklappter Bauchbund mit Gummiband, schlichte Hosensäume und aufgesetzte Seitentaschen.DSC_0034Karin hatte in ihrem Bericht über die Sachensuchershorts geschrieben, dass die irgendwie umständlicher und fummeliger war als erwartet und sie beim Nähen einige Frustmomente hatte. Deshalb bin ich mit Respekt an die erste Hose gegangen und habe Schwierigkeiten erwartet. Die kamen erst mal nicht. Ich hatte anscheinend gut genug zugeschnitten, um keinen großen Versatz zu ernten, und habe geduldig zwischen Nähmaschine (Nähen) und Overlockmaschine (Versäubern) hin- und hergewechselt.

Ich bügele bei Sommerhitze möglichst wenig und hatte auch hier keine Lust dazu. Also habe ich alle umzuklappenden Nahtzugaben mit Textilklebestift festgepappt. Das klappt super und geht viel schneller als Bügeln. Ich finde, dass die Taschen damit akkurat geworden sind. Ich habe mir aber auch echt Mühe gegeben und sogar diese dreieckigen Verstärkungen an den oberen Taschenrändern genäht.DSC_0064Relativ schnell bin ich also beim Säumen angelangt. Die Hosenbeine habe ich an der Unterkante versäubert und einmal nach innen umgeschlagen, genau nach Markierung. Eigentlich sollte man Webware doppelt umschlagen, aber ich finde dann die Hosenbeine oft so steif.

Es folgte der obere Hosenbund. Ich habe die Nahtzugabe festgeklebt, den Bund nach Markierung umgeklappt, und dann ist mir eingefallen, dass ich ja Bindebänder annähen könnte. Dazu ist im Freebook vorgeschlagen, dass man Knopflöcher näht, ein Stück Kordel nur von einem Knopfloch ins andere zieht (also nicht rund um den Bauch), und das mittig feststeppt, damit es nicht rausrutscht. Fand ich super.DSC_0032 (2)Erste Herausforderung: Knopflöcher. Das hat 1A geklappt, ich war ganz stolz, und anschließend habe ich das Kordelstück in die Hand genommen und überlegt, wo ich es nun feststeppen muss. Dann habe ich mir einmal fest gegen die Stirn geschlagen – ich hatte die Knopflöcher innen in den Umschlag genäht, also einen Umschlag zu hoch! Da sind sie ja mal vollkommen sinnlos. Also habe ich schön eine zweite Garnitur Knopflöcher danebengesetzt, das übt ja dann. Und es sieht am Ende keiner mehr.DSC_0001Zum krönenden Abschluss habe ich das Kordelstück eingezogen, festgesteppt, den Bund umgeschlagen und festgenäht. Als ich endlich die Hose zufrieden und stolz vor mir hochgehalten habe (den Gummi ziehe ich erst nach Anprobe ein), ist mir ein handfestes „SCH…!“ rausgerutscht. Ich hab die Knopflöcher hinten genäht. Aaaaaaahhh!DSC_0042Damit stellte sich dem kleinen Stöpsel die Wahl, ob er die Hose falschrum anzieht und vorn eine Beule in Kauf nimmt oder ob er Bändchen am Po haben will. Toll. Er hat eine Beule in der Vorderseite gewählt. Zum Wegwerfen ist die Hose aber zu schön, und Auftrennen schließe ich auch aus. Das muss jetzt so bleiben. Beim Tragen stelle ich auch fest, dass das kein Mensch sieht, der es nicht weiß. Ich hatte mit viel mehr Beule vorn und Engpass hinten gerechnet.DSC_0038Den Hosengummi wollte ich vorn (also getragen dann hinten) noch im Nahtschatten feststeppen, damit er sich nicht immer beim Waschen dreht. Den Nahtschatten habe ich von innen nicht getroffen, aber da der Faden einigermaßen passt, fand ich das hinnehmbar.DSC_0065Als Fazit hatte ich also eine genauso herausfordernde Projekthose wie Karin, nur dass ihre nachher nicht so einen Kardinalsfehler hatte wie meine. Vielleicht schaffe ich ja die gleiche Hose für den großen Bruder fehlerfrei…

Verlinkt zu Autos & Co., Kostenlose Schnittmuster und made for boys

 

8 Kommentare zu „Fehlersuche beim Sachensucher

  1. Ich habe vorgestern einen Turnbeutel genäht, mit Ösen, durch die die Zugbänder kommen. Rate mal, wo die Ösen nach dem Umschlagen der Oberkante waren… Richtig, innen. Also mussten vier neue Ösen her 😦 Aber da ein Turnbeutel kein vorne-hinten hat, ist mir dein zweiter Fehler erspart geblieben 😉
    Ist auf jeden Fall trotzdem schick geworden, von vorne so baggy gibt es doch auch jede Menge Schnittmuster. Und falls du doch unzufrieden bist – bei einem 4€ Stoff hält sich das Lehrgeld ja auch in Grenzen. 😉 Die nächste wird perfekt!

    Viele Grüße,
    Andrea

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    1. Hallo Andrea! Das mit dem Stoff habe ich auch gedacht – gut, dass es kein furchtbar teurer Bio-Cord oder so was war. Und mir gefällt die Hose trotzdem gut, ich ignoriere die Beule 😉
      Lustig, dass dir das mit den Ösen auch passiert ist! Ich hab mich bisher immer gefragt, ob das so viele Blogger und Facebooker verschweigen, wenn ihnen auch mal ein kleineres oder größeres Missgeschick unterläuft. Danke für dein Ösen-Geständnis 😉
      Viele Grüße!

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    1. Hmm, Tina, was ist denn ein K-Car? Da weißt du mehr als ich. Hab ich eine Bildungslücke oder ist das Randwissen?
      Jahaaa, ich hab mich so GAR NICHT gefreut, als mir das vorne-hinten-Problem aufgefallen ist. Und ich verrate schon mal: Für J. ist es mir nicht mehr passiert!
      Liebe Grüße!

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    1. Hallo Ingrid! Mir ist das schon öfter so gegangen: Wenn man seine unperfekten Sachen outet, erntet man Erleichterung bei anderen, die auch nicht alles perfekt können. Deshalb lese ich ja auch gern bei dir mir, da gibt es auch ehrliche Berichte. Liebe Grüße!

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