Für Erwachsene

Tunika Blomma – nix mit rosaroter Brille…

Von einer Freundin habe ich zu Weihnachten das Schnittmusterbuch „rosa p. Kleiderschrank“ bekommen. Beim ersten Durchblättern habe ich schon mal die Hosen verworfen, die alle einen tiefen Schritt im Haremsstil haben, und die Kleider mit Fragezeichen versehen. Die schwanken zwischen Retro, Hausfrau-Klischee und „mir zu feminin“, fand ich, aber das kann sich bei genauerem Hinsehen auch noch ändern.

An den Oberteilen finde ich erfreulich, dass sie im Baukastensystem angelegt sind und man viele Elemente zum Wunsch-Schnitt kombinieren kann. Ich habe als erstes Projekt die Tunika Blomma gewählt, die einen kastigen Ausschnitt hat und damit meinen Stil trifft. Echt entsetzt war ich aber über den Schnittmusterbogen. Vollgepackte Bögen kenne ich aus den Ottobres, aber da sind die einzelnen Modelle wenigstens himmelblau, bonbonrosa, flaschengrün und schwarz auf Weiß, das kann man unterscheiden. Hier sind superdünne Linien mit nur schwer erkennbaren Unterschieden in der Liniierung zwischen Dunkelgrau und Schwarz auf Hellgrau. Ich habe minutenlang schweigend und still vor dem Bogen gesessen und nachgedacht, ob ich erkenne, wo „meine“ Linie ist. Das kann ich nicht verstehen. Wenn ich ein teures Buch mit Hunderten Fotos auf Hochglanzpapier drucke, warum spare ich dann an zwei popligen A0-Plots auf dünnem Recyclingpapier? Das finde ich total ärgerlich, und es hat mir fast die Lust auf das Buch verdorben. Der eckige Ausschnitt konnte es gerade noch retten.

Ich habe mir die Maßtabelle leider erst angesehen, nachdem ich aus Gewohnheit Größe 44 abgepaust hatte, und dann erkannt, dass Größe 42 auch gereicht hätte. Daraufhin habe ich, total unprofessionell, trotzdem Größe 44 mit minimaler Nahtzugabe ausgeschnitten. Überrascht hat mich, dass ich an der Schulterweite nichts ändern musste, das ist bei meinen 41 Zentimetern echt selten. In der Länge habe ich fünf Zentimeter zugegeben, weil ich 16 Zentimeter größer bin als das Standardmaß bei rosa p. Dabei habe ich bis zur Achsel geschnitten, den Schnitt dann runtergerutscht und von Achsel bis Saum eine neue Linie gezogen, statt den ausgestellten Saum noch fünf Zentimeter weiter nach unten auszustellen.

Das Nähen ging an sich schnell und reibungslos. Beim eckigen Beleg musste ich an den Ecken ein bisschen tasten beim Absteppen, aber das hat ordentlich geklappt. Gesäumt habe ich vor dem Zusammennähen, weil ich immer wieder nicht weiß, wie man eine Mischung aus konkav und konvex sauber umschlagen und säumen soll.

Als ich die fertige Tunika hochgehalten habe, war ich erst mal unangenehm überrascht. Die sah nämlich seeehr locker-leger groß aus. Die Anprobe vor dem Spiegel hat meine Überraschung in Entsetzen gewandelt. Die Tunika ist ein Zelt vom Allerfeinsten. Das Ding ist riesig! Ich bin echt keine Elfe, aber das Stück sieht an mir aus wie ein roter Krankenhauskittel.

Ich war voll frustriert; ich hatte mich nämlich trotz Stöpselchen-Erschöpfung und Motivationsloch am Dienstagabend aufgerafft, um rechtzeitig zum Me Made Mittwoch fertig zu sein, und hatte mir so schön gedacht, dass ich das neue Teil dann auch gleich am Mittwoch zur Arbeit anziehen kann. Weit gefehlt.

Schön ist der Ausschnitt. Das immerhin schon, und das ist ja erfreulich, weil ich Blomma wegen des Ausschnitts gewählt hatte. Außerdem passen die Schultern. Auch selten.

Alles andere ist unerfreulich. Die Brustabnäher finde ich zu lang, die Ärmel auch (selbst schuld, ich habe die langen Ärmel im Schnittmuster nicht günstig gekürzt), die Tunika selbst ist viel zu lang, im Rumpf sind Massen zu viel Stoff. Sie sitzt so schauderhaft, dass ich keinen blassen Schimmer hätte, wie ich sie noch tragbar machen sollte. Da geht selbst mit rosaroter bzw. rosa-p.-Brille nichts.

Falls also eine Leserin bis hierhin kommt, die den Stoffonkel-Stoff mag und denkt, dass sie besser in die Tunika passt als ich: Sag mir Bescheid, ich schick sie dir und würde mich freuen, wenn sie nicht in die Recycling-Kiste muss!

Ob ich mich noch mal an rosa p.s Kleiderschrank wage, kann ich gerade nicht sagen, dafür finde ich meinen Erstversuch zu frustrierend. Wenn, dann in Größe 40 oder 42.

Verlinkt zu AfterWorkSewing, Buchprojekte, zur Biostoff-Linkparty und zu The Creative Lover

25 Kommentare zu „Tunika Blomma – nix mit rosaroter Brille…

  1. Hallo Meike
    Echt ärgerlich. Mir ging es ganz genau so wie dir mit der Kleidversion. Habe auf den Seiten bestimmt je 5 cm weggenommen und leider passen bei mir die Schultern/Weite oben auch nicht. Ich probiere es eventuell deswegen 3 Kleidergrößen kleiner nochmal. Der Rock aus dem Buch hat aber gut gepasst.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,
      das finde ich ja schon mal einen guten Hinweis, dass die Röcke vielleicht weniger von den Erwartungen abweichen. Drei Größen kleiner ist schon krass. Da stimmt doch irgendwas nicht. Schade um die Arbeit, aber man lernt ja auch daraus…
      Liebe Grüße
      Meike

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  2. Puh, ja, Krankenhauskittel trifft es echt gut, das macht dann auch der schöne Ausschnitt nicht wett. Wie ärgerlich! Und dann noch so ein unübersichtlicher Schnittbogen, da hätte ich vermutlich sofort kapituliert.
    Liebe Grüße
    Tina

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  3. Ja, beim letzten Foto könntest du glatt als Krankenschwester durchgehen (obwohl, passt das nicht indirekt eh zu deinem Job 😉 ?).
    Manchmal soll es einfach nicht sein. Mein „will ich unbedingt für MMM fertig haben“ Projekt ist auch nicht das geworden, was ich mir vorgestellt habe.
    Lg Iris

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    1. Hmm, meine Mitarbeiterinnen tragen Rot-Weiß, und ich hatte echt überlegt, ob das mal Solidarität ist, auch mit diesen Farben im Büro anzutreten. Aber bei diesem Versuch sollte es nicht sein, das stimmt. Na ja. Dann vielleicht im April mit Erfolgserlebnis. Oder?
      Liebe Grüße
      Meike

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  4. Ich hatte die gleichen Probleme wie du! Mein Post sagt alles! Meine Blomma landete nach einer Weile in der Tonne! Die wollte ich keinem antun. Das Buch habe ich verschenkt!
    LG Monika

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    1. Hallo Monika, du hattest wenigstens noch vorausschauend gemessen und gekürzt, da warst du einen Schritt vorsichtiger als ich. Vielleicht lerne ich das jetzt fürs nächste Mal.
      Mal sehen, ob ich in dem Buch noch einen Zufallstreffer lande, aber diese Tunika war es ganz sicher nicht!
      Liebe Grüße
      Meike

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  5. Wie schade um die viele Arbeit und den schönen Stoff. Manchmal ist einfach der Wurm drin. Die Schnittgardierer haben zuweilen schon sehr eigenwillige Vorstellungen…. da lobe ich mir die amerikanischen Schnitte, die auch die Fertigmaße angeben, damit komme ich immer gut zurecht. vielleicht findet das Teil VErwendung als Postibotenkleid – schau mal in heutigen Beitrag von Mema ;-)) LG Kuestensocke

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  6. Das ist krass … oben finde ich es gut, aber Kittel trifft es echt …. Puuh, der Abnäher kommt irgendwie von zu weit unten und die Weite … echt schade um den schönen Stoff. Ich wünsch dir hoffentlich mehr Erfolg beim nächsten mal. Liebe Grüße Ingrid

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    1. Danke, Ingrid! Ich sag ja, da passt nicht viel… Aber ich hab ja so reichlich Stoff verbraucht, dass ich daraus locker einen neuen Anzug für das Stöpselchen schneiden kann. Ich seh’s positiv.
      Liebe Grüße

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  7. Liebe Meike, was für ein Mist…Der Stoff ist so klasse und die Farbe steht Dir auch total gut! Aber der Schnitt ist wirklich mies. Ich hatte 2 Rosa-P-Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen und mir ging es wie Dir: Viele Schnitte finde ich optisch ganz schrecklich, aber vor allem der Schnittmusterbogen ist eine Zumutung. Aber ich verstehe, was Dich an diesem Schnitt angesprochen hat. Vielleicht findest Du ja jemanden, bei dem es zum Einsatz kommt – ansonsten zauberst Du dem Stöpselchen was Schönes aus dem Stoff (und verkaufst das Buch auf Ebay Kleinanzeigen…) Liebe Grüße und Kopf hoch! Karin

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    1. Ha, Karin, bei dem pragmatischen Lösungsvorschlag am Ende musste ich gut lachen. So was Ähnliches hatte ich schon vor. Aber für das Buch noch Geld nehmen? Da hab ich ein leicht schlechtes Gewissen… Ich fand es auch als Spende für deinen Sew-Along zu doof. Mal sehen, welches Schicksal es jetzt trifft…
      Liebe Grüße!

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  8. Hm. Ich finde die Bluse sieht toll aus. Aber du hast natürlich recht, sie ist zu groß. Vielleicht könnte sie ihr passen, da du ja sogar verlängert hast. Also wenn du sie echt los werden möchtest und nicht doch noch irgendwie anderweitig vernähen.

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    1. Liebe Svea, ich schick dir die Tunika gern. Deine Adresse habe ich im Impressum gefunden; ich bring sie am Wochenende auf den Weg. Wenn sie dir passt, freu ich mich, dass sie noch ein besseres Schicksal bekommt als bei mir.
      Viele Grüße, Meike

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  9. Liebe Meike,
    hach, das Shirt sieht sehr gelungen aus. Gerade letzte Woche hatte ich die Idee mir auch mal eins mit so einem Ausschnitt zu nähen. Sieht echt toll aus und deine Stoffauswahl gefällt mir auch richtig gut. Ich wünsche dir einen schönen Freitag und ein erholsames Wochenende.

    Mach es dir fein, liebe Grüße von Annette

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  10. Liebe Meike,

    Die Farbe und den Ausschnitt finde ich prima, die Passform erinnert leider wirklich an einen Kittel. Sehr schade um den tollen Stoff.
    Du findest bestimmt eine ganz gute Verwendung dafür.
    LG Petra

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  11. Liebe Meike, so schlimm finde ich das Shirt gar nicht und ich denke es ließe sich ohne Probleme tragbar bekommen, weil ja die kritischen Stellen wie Ärmel und Schultern gut sitzen. Du könntest die Abnäher wieder auftrenne, etwas kürzen und nach oben verlegen. Die Weite kannst du einfach seitlich reduzieren und natürlich auch noch die Ärmellänge auf wunschlänge kürzen. Ich kenne die Enttäuschung aber auch sehr gut, wenn so viel Mühe in ein Stück investiert wurde und es dann viel zu groß ist. LG Julia

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  12. Liebe Meike, ich denke, Du hättest die Tunika noch retten können (Äbnäher im Rücken, Ärmel kürzen, am Saum kürzen), aber ich verstehe, dass man darauf vor lauter Frust keinen Bock mehr hat. Man ist so enttäuscht und frustriert, dass man das Teil erst mal in die Ecke pfeffert. Ich muss es dort dann immer ein paar Wochen liegen lassen, bevor ich die Muse habe mich an die Änderungen zu machen.
    Es freut mich, dass Du eine Abnehmerin gefunden hast. Wenn die Bluse Svea passt – perfekt!
    LG
    Natalie

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    1. Hallo Natalie, Svea ist wohl ganz zufrieden. Ich hätte im Moment keine Geduld für so viele Änderungen im Fundus gehabt. Einmal Kürzen am Saum vielleicht, aber Auftrennen wäre schon nicht mehr drin gewesen. Insofern war mir Verschenken näher…
      Liebe Grüße
      Meike

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