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Näähglück-Adventskalender: Rucksack Kanava

Der Näähglück-Adventskalender enthält in den meisten Jahren vier bis sechs Schnittmuster für Bekleidung, eines für Rucksack oder Tasche und weitere Accessoires oder Kleinteile. Das war auch dieses Jahr so, und da ich ja groß geplant hatte, alle Schnitte zu nähen, musste ich mir wohl oder übel auch einen Ruck geben und mich an den Rucksack wagen. Ich habe mir vorgenommen, ihn besonders schön und als Geschenk für eine tolle Freundin zu nähen. Da ist mein Ehrgeiz größer, ordentlich zu arbeiten, und das Risiko geringer, dass ich auf halber Strecke hinwerfe.

Mit dem „Mühegeben“ habe ich schon bei der Materialwahl begonnen. Man kann den Rucksack aus einem Stoff nähen oder Außenstoff und Futter separat wählen. Ich habe die ein-Stoff-Version zugeschnitten und dafür einen ausgewiesenen Taschenstoff von Stoffonkel verwendet, der sich anfühlt wie weich gewebter Canvas. Der Boden ist aus Pinatex, das ist veganer Lederersatz aus Ananasfasern. Das Material fand ich total spannend, ich habe es mal durch Zufall entdeckt und ein Stück zum Ausprobieren gekauft. Mehr zu Pinatex kann man hier nachlesen. Dazu habe ich blaues Gurtband und – als Hingucker – fette rote Schnallen bestellt.

Ich nähe nicht gern Rucksäcke. Wenn ich es tue und dann fertig bin, freue ich mich zwar jedes Mal, aber ich hasse Vlieseline, mich nervt das millimetergenaue Arbeiten bei fester Webware, und ich finde es eine Quälerei, die steifen, großen Stoffteile unter der Nähmaschine durchzuwürgen. So war das eigentlich auch hier. Mich hat total entlastet, dass die Schnittteile so einfach sind. Der Rucksack besteht, mit Ausnahme der kleinen Dreiecke am Trägeransatz, ausschließlich aus Rechtecken. So etwas mag ich!

Sicherlich habe ich es mir an manchen Stellen schwerer gemacht als nötig, so zum Beispiel mit dem Pinatex und dem unglaublich dicken, steifen Gurtband. Ich konnte ja im Internet nicht sehen oder fühlen, wie fest das Band ist, und das hat mir fast das Genick gebrochen. Das Gurtband wird in die Träger gelegt, Letztere werden rechts auf rechts genäht, und dann soll man das Ganze eigentlich wenden. Das wäre absolut nicht möglich gewesen. Ich hatte aber schon alle möglichen Nähte in die Träger gesetzt und habe sie dann krumpelig in Etappen zugeschustert. Das ist die einzige ärgerliche Stelle an dem fertigen Rucksack, und im Nachhinein hätte ich es mir viel leichter machen können. Hätte ich mal einfach nur die langen Seiten genäht und das Gurtband dann unten eingeschoben! Na ja, wieder was gelernt.

Genauso war total mühsam, Boden und Außenstoff zu verbinden oder Gurtstücke an den Boden zu nähen. Pinatex ist viel weicher als SnapPap, aber viel steifer als Taschenstoff. Auf die Kreuze zur Fixierung der Gurtbänder habe ich deshalb verzichtet und je drei stabile Nähte parallel gesetzt. Das bezeichne ich jetzt nicht als Notlösung, sondern als persönliche Note. Ist klar, oder?

Die Anleitung für diesen Rucksack fand ich sehr gut. Ich musste nach jedem Schritt gucken, wie es weitergeht, und manchmal auch zwischendurch. Eigentlich bin ich aber nie hängen geblieben, weil ich etwas nicht verstanden habe. Nur einen Denkfehler hatte ich, und den hatte die erste Anleitung noch nicht so deutlich verhindert: Ich habe prompt die Innentasche falschrum angenäht und das natürlich erst gemerkt, als ich wirklich alle Nähte gesetzt hatte – mit Dreifach-Stich…

Ich glaube übrigens, dass ich die Regulierschnallen falschrum eingefädelt habe. Aber das konnte ich in der Anleitung nicht eindeutig erkennen, weil meine Schnallen so viel massiver waren als die fotografierten, und ich glaube, es stört auch nicht so furchtbar.

Je nachdem, wie voll man den Rucksack stopft, kann man ihn weiter oder knapper umklappen und die Klappe dann entsprechend länger lassen. In der Anleitung ist außer den Schnallen kein Verschluss vorgesehen, aber das führt dann teilweise dazu, dass die untere Schicht „rauskriecht“, wenn man den Rucksack umschlägt.

Das gefiel mir nicht so gut, deshalb habe ich einen Anorak-Druckknopf an den oberen Rand gesetzt. Einen Knopf fand ich nicht stabil genug, einen normalen Druckknopf optisch zu popelig. Dieser Anorak-Knopf gefällt mir aber super. Ein Hoch auf das Horten von Kurzwaren!

Mit dem fertigen Rucksack bin ich total zufrieden. Er ist kein bisschen perfekt, aber richtig gut geworden, und das ist doch ein Urteil, mit dem man hervorragend leben kann. Ich hätte ihn ja gern selbst behalten, aber er war nun mal als Geschenk gedacht, und bestimmt habe ich bei nüchterner Betrachtung auch genug Taschen und Rucksäcke.

Das Schnittmuster hebe ich aber auf, und wenn ich es noch mal benutze, weiß ich jetzt ja auch, wie ich mir das Leben etwas leichter machen kann: weicheres Gurtband und anderer Boden!

Das Schnittmuster wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt.

Verlinkt zu The Creative Lover, Nähzeit am Wochenende, dem Freutag und der Taschen – Party

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