Allgemein · Kindersachen

Paperbag-Hose: Raus aus dem Schubladendenken!

Heute startet die September-Linkparty der Menschen(s)kinder. Bis vier Tage vor September hatte ich keine Eingebung, mit welchem Thema ich den Startbeitrag besetze. Ein Facebook-Beitrag hat mein Dilemma gelöst:

Ich besitze – bis auf einen – alle Schnitte von „Made for Motti“, weil die kindgerecht sind und vor allem die Hosen nach Echtgrößen bemessen werden. Die „Miss Mottis Latzhose“ hatte ich allerdings noch nie genäht, obwohl ich sie direkt nach dem Erscheinen gekauft hatte. Es fehlte immer der Anstoß.

Letzte Woche fragte in der Facebook-Gruppe zu den Made-for-Motti-Schnitten eine Frau, ob denn die anonyme Gemeinschaft denke, dass die Paperbag-Variante der Latzhose auch etwas für Jungen sei. Zur Erläuterung: Die Latzhose kann ohne Latz als Pumphose mit gekräuseltem Bauchbund genäht werden, das nennt sich dann „Paperbag“-Stil. Die Frage erntete sechs Kommentare; schon das finde ich für Facebook, wo viele Menschen ohnehin zu Verbaldiarrhoe neigen, erstaunlich wenig. Tja, und von den sechs Kommentaren lauteten vier: „Nein, auf keinen Fall!“ und zwei: „Hmm, na ja, also wenn es dir gefällt…“

Mein (siebter) Kommentar mit „Klar, warum nicht?!“ wurde mit eisigem Schweigen bedacht. Ich hab mich gefragt, ob die alle doof sind. Da geht es um einen Schnitt, der ohnehin nur bis Größe 104 ausgelegt ist; eine Größe, in der Kinder meist noch in klischeearmen und unbedarften Gruppen unterwegs sind und doch bitte anziehen sollen, was sie wollen!

Daraufhin habe ich beschlossen, die Spießerinnen eines Besseren zu belehren, und habe bewusst einen klassischen Jungs-Stoff aus dem Regal gezogen, den meine Mutter mir mal für das Stöpselchen aus dem Sanetta-Werksverkauf mitgebracht hat. Er zeigt kleine Bären auf strahlendem Blau. Ich würde ihn auch einer Tochter anziehen, denke aber, dass er meist als Jungs-Stoff eingeordnet wird.

Daraus habe ich die Paperbag-Hose zugeschnitten und nach Anleitung genäht. Das ist wirklich unkompliziert, die Anleitung ist gut bebildert und erklärt alle Schritte abschließend.

Der Sanetta-Jersey hat eine mistige Qualität, das habe ich schon beim letzten Muster festgestellt. Selbst mit nagelneuen Nadeln reißt die Overlockmaschine so große Löcher in die Nähte, dass die Kleidung nach dem zweiten Tragen aussieht wie jahrelang geliebt und verschlissen. In der Anleitung wird vorgeschlagen, die Seitennähte abzusteppen. Das habe ich tatsächlich gemacht, um die Nähte zu entlasten.

Mir ist schon klar, dass dieser Paperbag-Stil oft als Mädchenkleidung interpretiert wird, weil der geraffte Bund in Richtung Rüschen geht. Aber ich habe die fertige Hose den großen Brüdern vor die Nase gehalten und gefragt, ob es eine Jungen- oder eine Mädchenhose sei. Beide haben sofort „Jungenhose!“ gesagt und hoffnungsvoll gefragt, ob die Hose für sie sei. Ist klar, in Größe 92 für den Achtjährigen! So ein Horst!

Das Stöpselchen jedenfalls findet die Hose total super und hat sich riesig darüber gefreut. Ich habe die Hose abends genäht, konnte also den Bauchumfang nicht messen, habe aber anscheinend sehr gut geschätzt. Der Hosenbund hält gut, kneift aber nicht.

An den Beinen musste ich eine Minimalvariante nähen, weil der Stoff etwas schief abgeschnitten war und ich nur noch einen popligen Zentimeter Saumzugabe rausgekriegt habe. Damit war ein Tunnel für Gummizüge nicht mehr drin. Also habe ich das genauso gearbeitet wie einen Bauchbund an einer Leggings: Ich habe Gummiband mit 10 mm Breite zum Ring genäht, auf links an den Hosenbeinrand gekettelt und das Ganze dann umgeklappt festgesteppt.

Hält bombig, sieht unauffällig aus und hat mir am Ende doch noch die notwendige Hosenlänge beschert. Die nächste will ich aber mal mit Bündchen ausprobieren, weil die Hose doch schon ganz schön viel Wade freilegt, wenn ich das Stöpselchen auf den Arm nehme. Aber es hat ganz bestimmt noch nicht Größe 98, also muss erst mal ein alternativer Beinabschluss her.

So, und am Ende habe ich trotzig ein Foto vom Paperbag-bekleideten Stöpselchen-Unterbau in die bewusste Facebook-Gruppe gesetzt und mich kein bisschen darum geschert, ob jemand dem Ganzen einen Daumen verleiht. Ich finde, ich hab recht, und mein Kind ist glücklich. So!

Und jetzt bin ich gespannt, was der September für die Menschen(s)kinder bringt!

You are invited to the Inlinkz link party!

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Verlinkt zu Menschen(s)kinder, The Creative Lover, Handmade on Tuesday und Dings vom Dienstag

3 Kommentare zu „Paperbag-Hose: Raus aus dem Schubladendenken!

  1. Die schaut gut aus. Und bequem. Hätte ich meinen auch angezogen.
    Verbaldiarrö, das ist echt ein guter Begriff für Facebook. Denn bei einer Verkaufsanzeige von mir hab ich mir mal ähnliches gedacht. Die Kommentare waren so schnell unter aller Sau dass ich sie ganz schnell wieder rausgenommen habe. Und das bei einem Paar sehr gut erhaltener Sandalen.
    Lg Iris

    Gefällt 1 Person

  2. Dieses Schubladendenken ist so daneben! Warum dürfen Kinder nicht einfach fröhlich-bunte Kleidung tragen?
    Ich kann mich mit dem Paperbag-Stil an sich nicht anfreunden, ich finde aber die Hosen geschlechtsneutral und bin mir sicher, dass F. sie auch gut finden würde. (Sie war im Übrigen gestern in Marienkäferkleid an Bushose und Dinojacke im Kindergarten… Der Horror für alle Schubladendenker! )
    Liebe Grüße! Tina

    Gefällt 1 Person

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