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Bienenwachstücher – was in keiner Anleitung steht…

Als der Trend aufkam, Bienenwachstücher selbst zu machen, habe ich eine Tüte mit 200 Gramm Wachspastillen bestellt (und zwar hier). Und die lag dann in der Küche bereit. Ungefähr mehrere Monate lang. Ich konnte mich dazu einfach nicht überwinden – unbekanntes Terrain und so.

Letztes Wochenende habe ich mir einen Ruck gegeben; ich wollte die Wartezeit auf einen Hefeteig sinnvoll nutzen. Also habe ich einen alten Bettbezug des großen Stöpsels, meine Stoffschere und meine Zickzack-Schere in die Küche geholt und schief und krumm drauflosgeschnitten. Die ersten Tücher waren ziemlich genauso groß wie das Backblech. Einige habe ich mit der Zickzack-Schere umrundet, aber nur für die Optik. Das Wachs verhindert das Ausfransen nachher ja sowieso.

Dann habe ich die Pellets mit einem Schuss Sesamöl in ein Wasserbad gestellt. Ich hatte die Anleitung von Vervliest und zugenäht gelesen, mehrere andere überflogen und mir außerdem das Video von DIY-Eule angesehen. Hilfreich hätte ich gefunden, wenn eins davon gezeigt hätte, wie unästhetisch Wachs zuerst schmilzt. Das löst sich nämlich nicht gefällig auf, wie ich gedacht hätte, sondern diese netten kleinen Pastillen klumpen zuerst zu hässlichen, weißlichen Brocken zusammen.

Das hat mir schon den ersten panischen Moment beschert, als ich überlegt habe, ob ich was falsch mache und ob das so gemein aussehen soll. Als das Wachs irgendwann endlich, endlich einigermaßen flüssig war, habe ich mit dem größten verfügbaren Pinsel angefangen, die Tücher einzustreichen.

Darauf immerhin hatte mich „DIY Eule“ vorbereitet: Das Wachs trocknet unglaublich schnell. Eigentlich ist es auf dem Weg von der Schüssel auf den Stoff schon leicht klebrig, und es hilft auch überhaupt nichts, den Pinsel noch mal in die warme Flüssigkeit zu tauchen. Das ist eher wie beim Kerzengießen: Jeder Kontakt lässt eine weitere Schicht Wachs zurück. Ich hab mich echt tierisch beeilt, aber nach sechs Tüchern war nichts mehr zu machen. Das Wachs in der Schüssel sah aus wie schimmeliger Apfelsaft, und der Pinsel war voller Klumpen.

Ich habe die Wachsschüssel mit dem klumpigen Pinsel noch mal auf den Herd gestellt und in der Zeit neue Tücher zugeschnitten, eine Nummer kleiner. „Vervliest und zugenäht“ hatte empfohlen, so eine Art Tücherstapel auf dem Backblech zu bilden , damit das Wachs alle Schichten durchdringt und man mehrere Tücher auf einmal machen kann. Und 200 Gramm Wachs sind überraschend ergiebig. Ganz oben drauf habe ich unser gekauftes Wachstuch gelegt, das mal eine Auffrischung gebrauchen konnte.

Dieses Werk habe ich, wie das etliche Anleitungen empfehlen, bei 70 Grad für zehn Minuten in den Ofen gestellt. Das hätte ich mir sparen können. Ich konnte überhaupt keinen Effekt erkennen. Immerhin konnte ich in der Zeit den Blick durch die Küche schweifen lassen. Diese Nummer mit dem Wachspinsel ist eine elendige Sauerei. Durch die Hektik mit dem Streichen-so-lange-es-flüssig-ist spritzt gelegentlich Wachs durch die Gegend, und wie soll ich das denn vom Brotkasten und der Wand abkriegen? Hat schon mal jemand einen Brotkasten gebügelt?

Außerdem dauert es ewig und drei Tage, das ganze benutzte Zubehör sauberzukriegen. Ich hab es mithilfe der Mikrowelle versucht und verpennt, dass das Messer natürlich nicht ohne Flüssigkeit reindarf, mit dem ich zwischendurch den Pinsel und den Plastiklöffel abgeschabt hatte. Prompt hatte ich Blitze in der Mikrowelle und ein Loch in der Glasschüssel. Selbst schuld, geärgert hat es mich trotzdem.

Dann hatte ich die grandiose Idee, das in der Glasschüssel geschmolzene Restwachs auf eine Folie zu gießen, damit ich es nachher davon abnehmen und aufheben kann. Möööööp! Die Folie ist unter dem Wachs geschmolzen, damit war es natürlich nicht wiederverwendbar und eine Sauerei mehr produziert.

Den Tücherstapel aus dem Ofen habe ich nach der unnützen Erhitzung auf ein altes Küchenhandtuch gelegt und angefangen zu bügeln. Auf „Vervliest und zugenäht“ stand, dass man mit viel Kraft bügeln soll und sich das überschüssige Wachs dann zu den Seiten verteilt. Ich hatte die Ränder deshalb vorsichtshalber nicht beschmiert. Fehler! Da verteilt sich rein gar nichts, auch nicht, wenn ich mich mit dem Oberkörper aufs Bügeleisen lege. Vielleicht unsichtbare Millimeter zu den Seiten, aber es ist nicht so, dass man kleine Wachswellen vor dem Bügeleisen herschiebt, wie ich das erwartet hatte.

Also habe ich immer wieder das obere Backpapier angehoben und nachgesehen, ob die oberste Lage komplett gewachst ist. Wenn ja, habe ich das heiße Tuch abgenommen, kurz gewedelt, damit es antrocknet, und dann zum vollständigen Trocknen hingelegt.

Auf dem Bild sieht man gut die trockenen Ränder. Von Lage zu Lage habe ich abgekratzte Wachsreste an die Stellen gelegt, die noch wachsfrei waren, und das alles flüssig gebügelt, bis das Tuch fertig war.

Gedauert hat das ewig bei 15 Tüchern. Da war nix mit „schnell mal in der Wartezeit auf den Hefeteig“. Das letzte Tuch wiederum war total durchtränkt, da war ich dann ein bisschen ratlos, was ich damit machen soll. Ich hätte ein Wachsbrett geerntet, wenn ich das so gelassen hätte. Also bin ich hochgerannt in mein Zimmer, habe aus der Stoffspenden-Kiste ein Stück Webware gezerrt und es ohne Zuschneiden unter das letzte Tuch gelegt.

Nach dem Bügeln war dieses Stoffstück fast so gut gewachst wie das letzte Wachstuch. Und ich habe entdeckt, dass Wachs durch Backpapier dringt. Sowohl das alte Küchenhandtuch als auch die Arbeitsfläche waren vom Feinsten eingewachst. Ich war froh, dass ich nicht auf dem Bügelbrett zugange war, aber das hätte doch mal jemand in eine Anleitung schreiben können!

Draufgegangen sind bei diesem Projekt ein Küchenhandtuch, ein kleines scharfes Messer, ein Plastiklöffel, eine Glasschüssel und viiiiel Euphorie. Immerhin habe ich aber jetzt 15 neue und ein aufgefrischtes Wachstuch.

Sehr irritierend dabei finde ich allerdings, dass sie sich viel dünner und wachsärmer anfühlen als das gekaufte Wachstuch beim ersten Verwenden. Nur: Mehr Wachs hätten sie nun mal nicht aufgenommen. Ich weiß jetzt nicht, ob sie ausreichend gewachst sind, um ihren vorgesehenen Nutzen zu erfüllen, oder ob mir alles im Kühlschrank vergammeln wird, weil die Wachsschicht zu dünn ist.

Gut 70 Gramm Bienenwachs sind noch übrig und in eine Tüte gepackt. Ob ich in absehbarer Zeit noch mal Geduld haben werde, ein neues Kapitel in der DIY-Bienenwachstuch-Historie zu eröffnen, bleibt aber erst mal offen. Positiv finde ich bei allem Frust, dass der alte Bettbezug des großen Stöpsels nach vier Jahren in der Abseite eine neue Bestimmung gefunden hat. Und ich genieße, wie toll die Tücher riechen. Zwei sind schon in Benutzung, sechs sind verschenkt, der Rest liegt auf meinem Schreibtisch und duftet vor sich hin.

Und gespannt bin ich darauf, wie der große Stöpsel das finden wird, wenn er bald/irgendwann/später mal, wenn die Schule wieder startet, Brote in Wachstuch mitnimmt. Schick sieht es ja aus!

Verlinkt zu Menschen(s)kinder, Öko?-Logisch! – undiversell, einfach.nachhaltig.besser.leben, Handmade on Tuesday, creadienstag und Dings vom Dienstag

23 Kommentare zu „Bienenwachstücher – was in keiner Anleitung steht…

  1. Uh, da hast du ja einiges mitgemacht. Wir hatten auch diese Pastillen bestellt, leider kamen sie erst am 2.1. und konnten somit nicht mehr zum Kerzenziehen an Silvester genutzt werden. Ich habe es dann selbst mal gemacht und das Ziehen ganz schnell gelassen, da es einfach eeeeeewig dauerte.

    Ich hatte das Wachs in einem Wasserbad erwärmt. Das Wachs war in einer Metalldose (Katzenfutter), und ich habe es dann auf Backblech ausgegossen, das Blech geschwenkt und antrocknen lassen. Es war noch formbar, da habe ich die Platte um einen Docht gerollt. So ging es wunderbar und man kann alle Küchengeräte weiter nutzen…..

    Schön sehen deine Wachstücher aber allemal aus! 😉

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    1. Also ich habe beschrieben, wie wir Bienenwachskerzen gemacht haben. Das kommt im zweiten Abschnitt nicht direkt raus 😉 Das mit der Metalldose, die sonst direkt in den Müll gewandert wäre, schont man seine Töpfe.

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  2. Warum hast Du die trocken gebliebenen Ränder nicht einfach bis zur Wachskante hin abgeschnitten? Sorry, aber die Frage stellte sich mir beim Durchlesen einfach. Aber was für ein Akt! Ja, die Tücher sehen toll aus, ich habe mir auch schon mal überlegt, ob ich das nicht mal machen sollte. Aber ich glaube ich verzichte lieber. 🙂

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  3. Liebe Meike,
    meine „Wachstuchgeschichte“ beginnt ganz ähnlich wie deine, mit dem Unterschied, dass ich die Pastillen direkt auf dem Stoff gelegt und dann gebügelt habe. Richtig zufrieden bin ich nicht mit dem Ergebnis, aber es war zumindest nicht so eine große Sauerei. ;o)

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      1. Also, Tina, sollte ich je wieder auf die Idee kommen, einen Beutel Pastillen zu bestellen, versuche ich es mit deinem Tipp. Das müsste sich in meiner Vorstellung auf jeden Fall besser dosieren lassen.
        Und das mit dem Fön versuche ich.
        Übrigens sind die Tücher im Alltag tatsächlich etwas zu dünn gewachst und halten nicht so gut wie das gekaufte. Alles eine Übungssache, vermute ich…
        Liebe Grüße zurück!

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  4. Servus Meike!
    Wahnsinn . . . ich habe meine Überlegung, die Wachstücher einmal auszuprobieren, beim Lesen deiner Geschichte in der Sekunde verworfen. Das tu ich mir nicht an! Danke fürs Verlinken beim DvD und liebe Grüße
    ELFi

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  5. Liebe Meike,
    ich liebe Deinen Blog und Deine ehrliche und amüsante Art zu schreiben. Ich habe mit Dir gelitten (und Tränen gelacht), mir kam jeder einzelne Schritt logisch vor und es wäre mir ähnlich ergangen.
    Liebe Grüße Kirsten

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    1. Ha, siehste, du hast genau das beschrieben, dass sich das Wachs eben auch durch Backpapier drückt. Hätte ich deinen Blogbeitrag mal schon vorher gekannt! Das verschweigen fast alle Anleitungen.
      Ich hab ja noch 70 Gramm, ich kann das Raspeln also mal probieren. Wann auch immer…

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      1. Ich habe es jetzt auch einmal so gemacht, dass ich einfach mit einem alten Messer Flocken abgeschabt habe … ist so eine „vorderGlotze“ Arbeit ..

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  6. Liebe Meike,
    falls Du Dich nochmal rantraust: Ich lege ein Tuch auf eine Backblech mit Backpapier, Pellets drauf verteilen, Jojobaöl dazwischen tröpfeln, Ofen an bei ca. 90 grad (Bienenwachs schmilzt ab 80-90, wenn ich das richtig im Kopf hab) und paar Minuten warten. Fertig. Falls noch nicht alles voll ist, Pellets nachlegen, aber beim 3. Tuch hast du die Menge raus.
    Ich hab zumindest beim lesen lachen können, weil du es so schön beschrieben hast und ich solche Situationen natürlich auch kenne. Ich hoffe, du lachst mittlerweile auch drüber.

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  7. Ach, das tut mir leid, dass das nicht so lief wie erwartet. Ich habe meine Wachstücher letztes Jahr im März gemacht und in Dauergebrauch. Ich kann mich erinnern, dass es zwar auch eine Weile gedauert hat, aber es gut geklappt hat. Ich kriege hier den Link nicht ins Kommentarfeld, aber vielleicht magst du es bei mir nachlesen unter DIY (https://undiversell.wordpress.com) LG Undine PS: Das Ergebnis ist aber toll! 😉

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    1. Ja, dein Weg klingt auf jeden Fall nach viel weniger Schweinerei als meiner! Ich wäre nur skeptisch, ob ich das mit der richtigen Menge hinkriege, wenn ich die Tücher nach Gefühl mit Wachs bestreiche, oder nachher Wachsbretter aus dem Ofen hole. Aber das wäre ja einen Versuch wert. Danke!

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  8. Heidewitzka!
    Bin ich froh, dass du das hier so ehrlich aufgeschrieben hast!
    Diese Wachspillen liegen hier nämlich auch schon ne Weile rum und ich dachte, dass mach ich bald mal…
    Besser nicht, nachdem ich das hier so lese, oder nur mit alten Dingen in robuster Umgebung…

    Liebe Grüße!

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  9. Ach du liebe Güte. Nein, das wäre keine Aufgabe für mich. Was bin ich froh, dass ich mal Wachstücher geschenkt bekam und dass es die zu kaufen gibt. Ich bewundere dich für deine Geduld, ich hätte das Zeugs wahrscheinlich auf halber Strecke in den Müll gekippt. So ein Sauerei-Zeugs mit Schmelzen, rumschmieren und so, nein, das ist nichts für mich. Aber deine Tücher sehen toll aus und du musst sie unbedingt voller Stolz und Freude benutzen, du hast dir solche Mühe gegeben!

    Frohe Ostern und viele Grüße

    Anni

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  10. Hallo du Arme,

    ja das mit der Sauerei wird leider selten so deutlich gesagt in den ganzen tollen Anleitungen. Wir sind trotzdem dabei geblieben und haben unser Vorgehen von Mal zu Mal perfektioniert.

    So machen wir die Wachstücher jetzt:

    1. Tüch grob auf die Grüße schneiden /reißen, die man braucht.

    2. Backblech mit Backpapier belegen mehrere Stofflagen (ca. 3) drauf und DIREKT mit den Pastillen belegen.

    OPTIONAL wenn es besonder schön werden soll ansonsten ist bei 5 weitermachen ausreichend.

    (3. Backpapier mit Tüchern auf das Bügelbrett transportieren (Alter Bezug nur für BWT)

    4. Backpapier darüberlegen und bügeln/verteilen (normaler Druck) evtl bei trockener Stelle noch eine Pastille auflegen und mit dem Bügeleisen schmelzen.)

    5. Nacheinander die Lagen trennen und zum trocknen aufhängen.

    6. Mit dem Rollschneider (alte Klinge) oder einer alten Küchenschere auf die endgültige Größe zuschneiden.

    Vorteil: Keine Sauerei mit Pinsel und Topf, kein trocknendes Wachs und Eile. Es geht tatsächlic auch ohne Bügeln, dann ist das Wachs am Rand manchmal unregelmäßig verteilt, man kann dann aber am Ende einfach großzügiger zuschneiden und die „dicken“ Stellen mit abmachen.

    Noch ein Tipp, die Kinderbettwäsche ist meistens dünner und weicher als normale Webware, daher sicher das „dünne“ Gefühl.

    Viel Spaß beim nächsten Mal

    LG Juliane

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  11. Hallo Du 🙂
    Ich hab auch Bienenwachstücher gemacht. Hab von einem Kollegen (der Bienen hat) Wachsplatten bekommen. Die hab ich zerbrochen und direkt auf den Stoff gelegt – drunter und drüber ein Backpapier und einfach nur gebügelt. Das schmilzt so wunderbar und wo etwas fehlt einfach noch ein Stück Wachs und drüber bügeln. Ist zu viel Wachs, einfach noch ein Stoffstück drauf und nochmal bügeln – noch heiß auseinander ziehen und einzeln trocknen lassen. Das geht in null komm nix – zum Trocknen auf ein weiteres Backpapier – trocknet sehr schnell, wie du selbst bemerkt hast. Ich kenn zwar die gekauften nicht, aber wir wickeln Käse und Pausenbrote in die Wachstücher – das funktioniert für uns perfekt.
    Nach deiner Odyssee hoffe ich du probierst es nochmal 🙂
    Liebe Grüße Karin

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    1. Liebe Karin, ich glaube, ich muss das noch mal angehen. Meine Tücher sind zu dünn gewachst, die halten nicht verlässlich die Luft ab. Es trocknet doch vieles aus, wenn ich es einwickele. Aber der innere Schweinehund…

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