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Ein Stern, der keinen Namen trägt

Seit vorgestern läuft bei Karin von Grüner Nähen – Bunter Leben ein Menschen(s)kinder-Blog-Hop für Unisex-Deko und -Accessoires; unter dem Link finden sich die Idee, alle Termine und die teilnehmenden Blogs. Ich darf mitmachen und freue mich schon seit Karins Anfrage im November darüber. Tatsächlich hatte ich auch sofort, als ich ihre Mail gelesen habe, eine Idee, was ich nähen will:

Kurz zuvor, auch im November, war ich auf das Freebook „Tähti“ von Näähglück gestoßen, ein Sternkissen mit Paspel. Das ist auf die „will ich irgendwann mal nähen“-Liste gewandert, und dazu muss man wissen, dass ich solche Deko-Artikel so gut wie nie anfasse, weil mir immer etwas zum Anziehen wichtiger, dringender, einfacher, schneller oder unkomplizierter erscheint. Irgendwann im Jahr 2019 (glaube ich) hatte Karin mal ein Kissen mit Zirbenholzfüllung gezeigt, die sich damit preist, für gutes Klima, erholsamen Schlaf und allgemeines Wohlbefinden zu sorgen. Eine kleine Kiste voller Zirbenholzspäne hatte ich vor ungefähr vier Jahren (vielleicht auch fünf…) mal von einer Freundin geschenkt bekommen, und nun hatte ich die perfekte Konstellation aus Gelegenheit, Material und Termin.

Ich habe also das Kissen in der größten Version ausgeschnitten, nämlich mit 70 Zentimetern, die Zirbenholzkiste und alle verfügbare Füllwatte aus den Schränken gekramt und mich dann über meine Webware-Kisten gehängt. Das fand ich die Herausforderung, einen richtigen Menschen(s)kinder-Stoff für diesen Blog-Hop zu wählen. Am Ende ist meine Wahl auf einen Coupon gefallen, den ich während der letzten Schwangerschaft in Japan gekauft habe: schlichte Elefanten auf festem, dunkelblauem Webstoff. Blau und Rosa sind ja eigentlich nicht unbedingt Unisex-Farben, aber Dunkelblau geht schon wieder, finde ich, und Tiere sind sowieso immer erlaubt.

Der Coupon reichte nicht für das riesige Kissen, aber ich wollte unbedingt diesen Stoff verwenden, weil ich ihn so niedlich finde und er auch die passende Qualität für ein stabiles Kissen hat. Also habe ich eine Seite wild gestückelt und beschlossen, dass das künftig die ist, auf der das Kissen liegen soll. So!

Laut Anleitung soll man das Kissen nähen, wenden, stopfen und die Wende-und-Stopföffnung dann mit der Hand schließen. Kein Geschenk, wenn da noch eine Paspel im Weg ist. Außerdem habe ich daran gedacht, wie lecker die Bettlaken des Stöpselchens in der Kita-Schnodder-Jahreszeit immer nach wenigen Tagen aussehen und dass ich das Kissen eigentlich gern waschen können würde. Dass das Zirbenholz die Waschmaschine gut übersteht, kann ich mir aber nicht vorstellen.

Damit war klar, dass ich einen Innenstern mit Holz- und Wattefüllung nähe und dann eine Außenhülle mit Paspel und Reißverschluss, die ich später waschen kann. Das kam mir auch gar nicht so ungelegen, dass ich die Handnaht im gestopften Kissen ohne Paspel erledigen kann. Paspel plus Reißverschluss haben mir schon genug Respekt eingeflößt, ohne dass ich das noch per Hand bearbeiten muss.

Für den Innenstern habe ich getreu meinem Ansatz „Tiere sind immer erlaubt“ einen alten Bettbezug des großen Stöpsels zerschnitten, dessen erste Kita damals total seltsame Deckenformate hatte, weswegen der Bezug nach dem Kitawechsel für immer unbrauchbar war. Für das Kissen reichte die ehemalige Bettdecke genau. Eine echte Herausforderung fand ich, dieses bröselige Zirbenholzzeug durch die mickrige Wendeöffnung zu stopfen, die ich aber nicht größer hatte machen wollen, damit ich nicht noch mehr mit der Hand zunähen muss. Beholfen habe ich mir dann mit einem Marmeladentrichter – was die gute Hausfrau nicht alles im Küchenschrank hat…

Als das Zirbenholz im Kissen war, habe ich es auf den Boden gelegt, die Späne möglichst gleichmäßig verteilt und obendrauf die Füllwatte gestopft. Wahnsinn, wieviel Watte in so ein Kissen passt!

Labberig gefüllte Kissen mag ich aber nicht, also musste das sein. Das Kissen hat nun eine Holzseite und eine Watteseite, wobei ich vermute und erwarte, dass das Holz mit der Zeit die Watte infiltrieren wird. Ist auch nicht schlimm. Das Stöpselchen liebt es aber, wenn es schön raschelt und knistert, und freut sich anfangs bestimmt über die Holz-Seite.

Positiv überrascht war ich, wie wenig die Späne pieken und drücken, obwohl die Webware wirklich dünn ist. Mit der dicken Elefanten-Webware darüber wird das Kissen supergemütlich werden.

Tja, und dann die Außenhülle. Paspel ist kein Problem. Reißverschluss ist auch kein Problem (mehr). Reißverschluss auf Paspel allerdings geht streng in Richtung Angstgegner. Glücklicherweise hat sich das Problem von selbst erledigt. Ich war trotz des langen Zeitvorlaufs mal wieder spät dran. Die mintfarbene Paspel, die ich bestellt hatte, kam nicht rechtzeitig. Weder mein Bestand noch der örtliche Handwerksladen noch die riesige Kaufhausfiliale, in denen ich es versucht habe, boten Paspelband in passender Länge und/oder Farbe. Also bin ich am Ende bei Bündchenpaspel gelandet, einem drei Meter langen weichen Streifen in Petrol. Mint, meine erste Wahl, hatte ich nicht mehr genug. Der war natürlich total dankbar zu vernähen.

Ich habe auf die schöne Seite, also die ungestückelte, den Paspelstreifen genäht. Auf die gestückelte kam von einer Zackenspitze zur benachbarten ein Endlosreißverschluss, das Gegenteil habe ich auf die Paspel der Oberseite genäht, damit es am fertigen Kissen optisch unter der Paspel ist.

Anschließend habe ich die Kissenhülle von Reißverschlussende bis Reißverschlussanfang zusammengenäht. Alle Kanten habe ich am Ende mit der Overlockmaschine versäubert, damit ich das Kissen beliebig oft waschen kann, ohne um die Nähte fürchten zu müssen.

Ich hatte ganz fest damit gerechnet, dass etwas schiefgeht. Webware, Reißverschluss, Paspel, passende Hülle für ein nicht viereckiges Kissen – alles nach wie vor keine Selbstverständlichkeiten auf meinem Nähtisch. Es gab aber kein Malheur. Ich bin am Ende stolz wie Bolle mit einem riesigen, herrlichen, duftenden Kissen ins Wohnzimmer marschiert. Und die Kinder haben ihn dort am nächsten Morgen entdeckt und sich begeistert draufgeworfen.

Den fertigen Stern finde ich kleinkindgerecht, sogar auch noch kindgerecht, und kein bisschen „junge“ oder „mädchen“. Einen Namen trägt er, nämlich „des Stöpselchens Kissen“, insofern stimmt die Überschrift des Posts nicht ganz. Aber die hing mir schon die ganze Zeit beim Nähen im Kopf fest, und immerhin stimmt aus meiner Sicht, dass dem Stern kein Label anhaftet. Für mich ist er klassisch unisex. Und damit schicke ich ihn mit Freude und gutem Gewissen in den Menschen(s)kinder-Blog-Hop.

So, und wer auch in den nächsten Tagen tolle Menschen(s)kinder-Stücke im Blog-Hop lesen will, kann das hier tun:

09. Januar: Marymes Blog
10. Januar: Nähkäschtle
11. Januar.: Ringellaus
12. Januar: DIY oder die!
13. Januar: Quernaht
14. Januar: Ulrikes Smaating
15. Januar: Amberlight-Label
16. Januar: Zum Nähen in den Keller
17. Januar: Hügelring
18. Januar: Mit Schönheitsfehlern
19. Januar: Grüner Nähen

Gestern war Naht im Wald mit einem knuddeligen Eulenkissen dran und vorgestern Nähzimmerplaudereien mit einem schwer beeindruckenden Baby-Quilt, da lohnt es sich auch nachzulesen. Und zu guter Letzt: Ich danke dir, Karin, von Herzen für „Menschen(s)kinder“ mit allen Aktionen, die es drumherum schon gab.

Verlinkt zu The Creative Lover

25 Kommentare zu „Ein Stern, der keinen Namen trägt

    1. Danke, Tina, das ist ja ein schönes Lob! Ich freu mich auch ganz doll an dem Stern. Von deiner Hexie-Decke ist er Lichtjahre entfernt, aber für meinen inneren Schweinehund schon mal ein guter Start.
      Liebe Grüße!

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  1. Liebe Meike,
    das Kissen ist ganz wunderschön und der Stoff großartig. Und aus Erfahrung kann ich nur sagen: eine Zirbenholzfüllung ist ganz herrlich!
    Viel Spaß mit dem Stern (..und danke für den Ohrwurm..),
    Katharina

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  2. Liebe Meike,
    ein wunderbarer namensloser elefantöser Stern für Euer Stöpselchen. Paspel mit Reißverschluss mag ich auch nicht, das legt sich immer nicht so schön hin. Und das dann von Sternzacke zu Sternzacke – das ist richtig gut geworden!
    Eurem Stöpselchen wünsche ich viel Freude beim Draufliegen und Umeinanderschleifen – hoffentlich klauen es die Geschwister nicht immer.
    Liebe Grüße
    Ines

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  3. Liebe Meike,
    ich kenne das, mir kommt auch immer wieder Kleidung dazwischen, die die Kinder grad brauchen, sodass ich ganz wenig Dekosachen oder Accessoires nähe.
    Für dein Sternkissen hast du dir richtig viel Mühe gegeben und das Ergebnis ist toll geworden. Würde ich bei mir auch sofort ins Kinderzimmer oder Wohnzimmer legen.
    Wünsch dir einen schönen Tag,
    Sonja

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  4. Liebe Meike!
    Der Stern ist klasse geworden! Und wie schön, dass du deine Angstgegner allesamt bewältigt hast und das noch mit so einem top Ergebnis!
    Die Kombi aus Watte und Zirbenholz kann ich mir so erstmal gar nicht vorstellen, aber bestimmt ist es eine reizvolle Mischung aus kuschelig und knisterig.
    Schön, dass du auch mit beim Bloghop dabei bist und mal wieder einen lehrreichen und unterhaltsamen Text mit uns teilst!
    Liebe Grüße
    Iggy

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    1. Na ja, durch die zwei Stofflagen ist das Holz sehr gut gedämpft, das knistert nur noch sanft. Eigentlich wirklich angenehm. Ich finde bisher den Duft das Schönste daran. Aber es liegt sich auch sehr gut auf der Sternenform. Ich hab den Schnitt mal draußen liegen gelassen…
      Liebe Grüße!

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  5. Liebe Meike, allein für diesen Elefantenstoff hat sich die Reise nach Japan gelohnt…der ist ja unglaublich schön. Und der Zirbenholzstern ist dir ganz hervorragend gelungen! Wie auch Ines schreibt: RV von Zacke zu Zacke, Paspel…also der Stern hatte einige fiese Näh-Details. Die hast du scheinbar mit Leichtigkeit genommen…. Auch der Innenstoff ist sehr niedlich! Die Füllung mit Watte zu mischen ist eine tolle Idee, bei uns hat das Holz mittlerweile schon sehr an Volumen verloren. Aber geliebt wird es trotzdem, solche Kissen sind einfach wegen ihres Dufts sehr besonders. Danke für diesen tollen Beitrag zum Blog-Hop, danke für die schönen Kuschelbilder der Stöpsel und überhaupt! Liebe Grüße, Karin

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    1. Vielen lieben Dank, Karin!
      Irgendwie war der „Leistungsdruck“ des Blog-Hops genau richtig für dieses Projekt. Ich hätte es sonst bestimmt an der Reißverschluss-Stelle zur Seite gelegt, „für später mal“. So hatte ich ja aber keine Ausflüchte, sondern einen Termin. Das war perfekt!
      Ja, von dem Stoff hätte ich mal mehr kaufen sollen… Aber ich verreise bald wieder weit weg, da suche ich mir auch schon mal vorher die Stoffläden raus.

      Liebe Grüße!
      Meike

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  6. Oooooh, was für eine tolle Idee! Da fällt es einem doch wie Schuppen von den Augen – warum gibt’s eigentlich nur Zirbenkissen in Kissenform (viereckig), und nicht in anderen Formen, so wie Dein toller Stern? Fantastisch! Die Zirbenflocken überstehen die Waschmaschine übrigens tatsächlich nicht, deshalb sollte man beim Kauf von Zirbenkissen immer darauf achten, dass sie einen Reißverschluss haben, so dass man die Füllung herausnehmen und wechseln kann. Insofern hast Du es genau richtig gemacht! Ich wünsch Euch viel Freude mit dem Kissen, und vielen Dank für diese tolle Idee!

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  7. Der Stern wäre auch Ingridtauglich … ich bin ja auch ein Menschenskind … und Elefanten sind meins, ganz meins 🙂 und so ein Kinsterknackkissen wäre auch meins … ach das hast du toll gemacht und so viele Dinge beachtet, das ist einfach toll! Du solltest dich öfters trauen, da werden sicher noch viele viele schöne Sachen entstehen! Viele Grüße Ingrid

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    1. Mensch danke, Ingrid, der Kommentar freut mich wirklich sehr. Mein Kissen kommt mir gegen deine Projekte (gerade die Quilts) ziemlich poplig vor, aber ich nehme mir fest vor, mich jetzt öfter mal zu trauen.
      Viele Grüße!

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      1. Ohje … meine vor allem nicht fertig werdenden Quilts … das Quilten finde ich so schwierig, aber ich überwinde mich jetzt hoffentlich und mache einfach (wie sagt Ines immer zu mir „nicht so viel nachdenken, mach einfach“. Ich würde dafür gern mal lernen wie man diese tollen Einfassungen näht …

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  8. Liebe Meike, das Kissen ist so wunderschön geworden. Beim Betrachten der Bilder kam bei mir sofort der Wunsch auf so ein schönes Kissen auf unserem Sofa liegen zu haben. Leider geht es mir wie dir, Kleider gehen (fast) immer vor und ich kann mich nur selten aufraffen Accesoires zu nähen. Liebe Grüße Julia

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  9. Von Zirbenholz habe ich auch schon so oft gelesen, aber noch mehr begeistert mich dein Kissen. Wie wunderschön! Ich nehme mir schon sooooo lange mal endlich ein Reißverschlusskissen vor und lande dann doch immer wieder – weil es meistens schnell gehen muss – beim schnöden Hotelverschluss. Dein Kissen ist wirklich wunderbar …

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    1. Hmm, mich hat ja bisher ein Hotelverschluss abgeschreckt, weil man da die Umschläge berechnen muss und ich mir sicher bin, dass ich einen Denkfehler machen würde. Komisch, wie man so seine inneren Blockaden hat, oder?
      Vielen lieben Dank aber für das Lob!

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  10. hej meike,
    sterne gehen immer! das ist ja ein richtig tolles sternkissen geworden, besonders mit der paspel finde ich das sehr schön, aber auch deine stoffwahl :0) so tolle elefanten! richtig genial! gefällt mir sehr! ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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  11. Hallo Meike,
    dein Kissen ist toll. Ich bin ein ganz großer Fan von Sternen. Zu deinem Sternkissen passt der Elefantenstoff total gut.
    Richtig niedlich finde ich das Foto mit dem kleinen Stöpselchen.
    Ich habe mich beim Lesen ja echt gefragt, wo du den RV hinmachst. Deine Lösung ist eine gute Idee.
    Viele Grüße von Xenia

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  12. wie geil das bild mit dem kleinen kind auf dem kissen. sieht nach einfach umgefallen aus. so geht es mir auch manchmal. fabelhaft. und wie gut, wenn mensch seine angstgegner einfach mal angeht.
    liebe grüße,
    jule*

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