Kindersachen

Bruderanzug mit zugedrücktem Auge

Für Babys im Sommer mag ich kurze Spieler. Das finde ich so viel praktischer als kurze Hosen, weil beim Tragen und Hochheben nichts verrutscht. Also habe ich mir noch mal ein Schnittmuster gekauft, mit dem man auch Spieler genauso nähen kann, wie ich mir vorstelle: Amerikanischer Ausschnitt und Wickelleiste. Die Kriterien erfüllt der Babyanzug Anton von Klimperklein. Ich hatte mir ja schon mal den Einteiler Pepino gekauft, der auch so konstruiert ist, aber der ist für die Statur des Stöpselchens sehr breit und sitzt nicht toll.

Gewählt habe ich den Rest Klee mit Herzen von Graziela, aus dem der große Stöpsel einen Pulli hat. Seit das Stöpselchen sich überall hochzieht, ist der größte Bruder stolzer Hüter und Bewacher vor dem Umfallen, und da habe ich gedacht, dass er sich über Partnerlook bestimmt freut. Einen richtig fetten Dämpfer hat meine Euphorie bekommen, als ich nach dem Rückenteil feststellen musste, dass der Stoff nicht reicht. Außer quer zum Fadenlauf. Puh, und das ist ja echt eigentlich ein no-go, wenn man das Stadium „blutiger Anfänger“ erfolgreich hinter sich gebracht hat. Aber zum Kombinieren passte nichts.

Also habe ich tief durchgeatmet, mir einen Ruck gegeben und das Vorderteil quer zum Fadenlauf zugeschnitten. Das sieht schon echt gemein aus, muss ich sagen. Allerdings konnte der Stöpsel-Papa (als absoluter Näh-Laie) nichts finden, als ich ihm das Ding unter die Nase gehalten und ihn aufgefordert habe, den Fehler zu suchen. Da war ich dann ganz froh, dass ich meinen Widerwillen überwunden und beim Perfektionsanspruch ein Auge zugedrückt habe.

An diesem Anzug habe ich mal fotografiert, wie ich mit der Nähmaschine einfasse. Das Thema kam im Menschen(s)kinder-Sew-Along auf. Ich nähe mit der Overlockmaschine einen Bündchenstreifen rechts auf links an die Kante.

Dann lege ich das Stück mit der rechten Seite vor mich, klappe den Streifen zweimal auf mich zu und stecke diese Leiste mit vielen Nadeln fest. Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen „viel hilft viel“ gilt.

Anschließend stelle ich einen Zickzack-Stich so ein, dass er möglichst genau neben den gesteckten Bündchenstreifen sticht, also fast in den Nahtschatten. Wie das dann innen aussieht, interessiert mich gar nicht. Da ist es nie perfekt. Mein Ziel ist bloß, dass es von außen schön wird, und da kann ich hier nicht meckern.

Einfassen mit der Coverstich-Maschine finde ich trotzdem besser, weil das einfach flacher wird. Aber bei „Anton“ muss man an der Wickelleiste den Zwickel mit einfassen, und ich war mir beim ersten Mal mit dem Schnitt nicht sicher, wie das klappt. Da ist die Nähmaschine die sichere Bank.

Ein bisschen unrund wurde es beim Beinbündchen an der Wickelleiste. Anders als bei der langen Wickelöffnung muss das Beinbündchen hier ja auch offen sein, weil die Öffnung sonst viel zu klein ist, um die Beine rauszuziehen. Dort habe ich also das Beinbündchen an den kurzen Seiten eingeklappt und ans Hosenbein genäht. Im Nachhinein wäre wohl eleganter gewesen, das Beinbündchen an den kurzen Seiten zuzunähen und dann zu wenden. Na ja, nächstes Mal…

Die Nahtenden habe ich mit der Nähmaschine fixiert, damit sich das Geknubbel in die richtige Richtung legt. Perfekt ist anders, aber angezogen sieht man es ja nicht mehr.

Angezogen musste ich feststellen, dass ich dem Einteiler Pepino unrecht getan habe: Das Stöpselchen ist einfach schmaler als der Durchschnitt. Es füllt auch in diesem Anzug nicht annähernd die Rumpfweite aus, geschweige denn die Schultern.

Spannend fand ich, dass wir diesen Anzug im Urlaub in familienreicher Umgebung angezogen haben und die Herzchen auf den Kleeblättern echt am Klischee zu rütteln scheinen. Neben uns im Spielzimmer sagte ein Mädchen: „Der Junge da, der kann schon krabbeln“, und der Vater ergänzte politisch korrekt: „Oder das Mädchen, das weiß man ja nicht.“ Wenn das Stöpselchen Blau trägt, spricht dagegen jeder von „der kleine Mann“. Und das Grün dieses Anzugs finde ich neutral. Also müssen es die Herzchen sein. Hach ja. Farben und Herzchen für alle!

Verlinkt zu InsideOut, Menschen(s)kinder und The Creative Lover

5 Kommentare zu „Bruderanzug mit zugedrücktem Auge

  1. Das sieht nach herrlicher Bergidylle aus. Da werde ich ganz neidisch;)
    Danke für die genaue Erklärung zum Einfassen. Das möchte ich auch mal testen! Grad kommt auch die Nählust wieder.
    Liebe Grüße

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  2. Ja, die Klimperkleinsachen sind bei uns auch immer sehr gemütlich weit. Ich nähe immer eine Größe schmäler und verlängere dann. Das grün mit Herzchen finde ich ultraneutral und vor allem kleidet es den Kleinen wunderbar und sieht soooo kuschelig aus und es macht ja gar nix, wenn es weiter ist, so kommt mehr Luft ran. LG Ingrid

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Meike, der Spieler ist unglaublich schön geworden. Und ehrlich: Ich glaube, man sollte viel öfter auf den Fadenlauf pfeifen! Ich bin da auch immer sehr genau. Aber in allen Fällen, wo ich ihn ignorieren musste oder es erst hinterher gemerkt, merkt man ehrlich gesagt keinen oder wenig Unterschied. Gerade bei den kleinen Kleidungsstücken… Das Design passt natürlich auch bestens in die schöne Natur…! Und danke auch für das schöne Einfass-Tutorial. Werde ich mal so umsetzen, mit Zick-Zack-Stich, das scheint mir echt vielversprechend zu sein 🙂 Liebe Grüße! Karin

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