Für Erwachsene

Bauch-weg-Shirts mit Zähnezusammenbeißen

Vor dem Frau-freut-sich-Sommer in Karins Jahres-Sew-Along (siehe hier) habe ich ganz lange überlegt, was ich mir für den Sommer nähen will. Am Wollen scheiterte es nicht, da kam eine lange Liste zusammen. Die Frage war eher, was ich neben dem Menschen(s)kinder-Sew-Along, den drei kleinen Stöpseln und dem Alltag tatsächlich schaffe. Auf dem (dauerhaft unbenutzten) Bügelbrett liegen seit Wochen meine genähten Umstands-T-Shirts, die inzwischen alle etwas seltsam aussehen, weil sie am Bauch eine große leere Stoffbeule bilden. Ich konnte mich aber nicht zum Ändern aufraffen, weil ich Auftrennen so sehr hasse, und deshalb immer über neue Projekte nachgedacht. Obwohl ich alle drei T-Shirts sehr mag und im Schrank vermisse.

Nachdem ich wochenlang mit mir gehadert habe, ob ich nicht doch neue Oberteile nähe und die Bauchbeule-Teile still und heimlich verschwinden lasse, habe ich die Vernunft aus der Versenkung geholt und beschlossen, Frau freut sich im Mai als Impuls zu nutzen. Ich habe tatsächlich die Zähne zusammengebissen und an allen drei Shirts die Seiten und Saumnähte aufgetrennt, und das waren jeweils alle denkbaren Nähte: Raffnähte von der Nähmaschine, Overlocknähte in der Seitennaht und Coversäume. Und jetzt kommen die guten Stücke mit Vorher-nachher-Bildern:

Über meine Laune beim ersten Oberteil schweige ich, aber ich kann positiv berichten, dass ich beim letzten Stück die jeweils effektivste Auftrenn-Technik raushatte und es jetzt gar nicht mehr soooo schlimm finde. Ganz übel fand ich das Trennen bei dem gestreiften Teil, das ich am meisten mag, weil ich abends gewerkelt habe und man auf Schwarz so schlecht sieht.

Bei dem Schilfmuster-Shirt habe ich mich wieder darin bestätigt gefunden, dass Framilon ein Teufelszeug ist. Bei diesem ersten Schwangerschafts-T-Shirt meiner Nähkarriere hatte ich anleitungsgerecht mit Framilon gerafft. Danach nie wieder; ich musste den Bereich immer von innen mit Pflaster abkleben, weil es so fies gekratzt hat. Ich vernähe das schon nicht gern, aber Auftrennen ist echt die Härte. Der Faden ist so fest in den Gummi gezogen, dass ich am Ende einfach brachial daran gerissen habe. Die Overlock-Maschine wird’s schon richten, wenn ich danach wieder drübernähe…

Das Blumen-Shirt ging am besten, und das hatte ich mir auch bis zum Ende aufgehoben. Es ist so spät in der Schwangerschaft entstanden, dass ich schon aufs Umarbeiten hingedacht hatte, und deshalb hatte ich die Overlocknaht über dem gerafften Stück beendet und den Rest mit einem einfachen Geradstich genäht. Das trennt sich deutlich dankbarer.

Die drei Lieblingsteile dann wieder tragbar zu machen, war mehr eine Fleißarbeit. Neue Seitennähte, den Stoffüberstand am Vorderteil abschneiden, einmal schnell am Saum mit der Covermaschine drumherum und fertig. Das habe ich bei allen dreien am Muttertag geschafft, an dem mir meine vier Männer mehrere Gelegenheiten an den Nähmaschinen geschenkt haben.

So, und nun betrete ich mit meinen drei alten neuen Lieblings-T-Shirts zufrieden und stolz auf meine Überwindung die Frau-freut-sich-Sommerparty. Und ich bin gespannt, welche Projekte dort zu sehen sind, für die ich dann vielleicht nächsten Sommer Zeit habe. Stoff läuft ja nicht weg…

Verlinkt zu Du für dich am Donnerstag und The Creative Lover

18 Kommentare zu „Bauch-weg-Shirts mit Zähnezusammenbeißen

  1. Die Fleißarbeit hat sich definitiv gelohnt, die Shirts sehen klasse aus ohne leere Beule!
    Bei dem Shilfstoff habe ich auch lange überlegt und ihn dann doch (noch?) nicht gekauft. Aber das Oberteil mit den gelben Bündchen ist mein Favorit an dir!
    Liebe Grüße, Ina

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  2. Mit Framilon verbindet mich auch so eine Haßliebe. Aber ich finde, die Vorteile überwiegen. Man näht es auf die rechte Stoffseite und wenn du es dann mit dem anderen Schnittteil verbindest, verschwindet es in der Nahtzugabe und berührt deinen Körper gar nicht. Mein Wissen beziehe ich aus der Ottobre (selbstbez. Werbung). Vielleicht versuchst du es ja später doch noch einmal. Viel Glück dabei. Das Umarbeiten hat sich wirklich gelohnt. Schön geworden.

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    1. Hallo Freya, das ist ja mal ein guter Tipp! Eigentlich total logisch, aber ich wäre nie drauf gekommen! Das probiere ich auf jeden Fall noch mal. Raffen mit Fäden ist ja auch nicht der Weisheit letzter Schluss… Vielen lieben Dank für dein Wissen!
      Meike

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  3. Da hat sich die Arbeit doch gelohnt.
    Hier liegen auch noch zwei Umstandsshirts, die (seit 1 1/2 Jahren) darauf warten umgearbeitet zu werden.
    Aber ich kann mich einfach nicht aufraffen!

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    1. Danke, Iggy! Ich freu mich auch, dass ich mich aufgerafft habe. Ich habe mir zwar danach vorgenommen, dass ich jetzt öfter mal nacharbeite oder ändere, wenn ein Stück nicht ideal geworden ist, aber ob ich den Vorsatz umsetze…
      Liebe Grüße
      Meike

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  4. Liebe Meike, ach wie toll, dass Du den inneren Auftrenn-Schweinehund überwunden und Du Dir auf diese Weise drei wunderschöne Shirts für den Sommer zurückerobert hast. Und ich finde die Vorher-Nachher-Bilder toll, nicht nur, weil das Baby jetzt raus ist :-), sondern auch, weil man sieht, dass die Stoffe alle noch sehr gut aussehen, obwohl Dich die Shirts ja schon eine Weile begleitet haben. Und ein Nachhaltigkeits-Fleiß-Bienchen gibt es obendrauf für Dich!
    Den Schilfstoff habe ich mir übrigens letzte Woche selbst gekauft – er wartet frisch gewaschen darauf, ebenfalls ein Sommershirt zu werden 🙂 Ich danke Dir sehr für Deine Verlinkung! Liebe Grüße! Karin

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    1. Vielen lieben Dank, Karin! Ja, über die Stoffqualität habe ich mich auch gefreut. Wie schön, dass du das selbst auf den Fotos gesehen hast. Ich fand die Vorher-Nachher-Fotos witzig; so groß wie im Nachhinein fand ich den Bauch während der Schwangerschaft gar nicht…
      Stimmt, der Schilf-Stoff passt 1A in dein Farbschema. Ich bin gespannt!
      Liebe Grüße
      Meike

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  5. Liebe Meike,
    ich habe kürzlich gelernt, dass einem mit zusammengebissenen Zähne alles schwerer fällt und mir vorgenommen beim nächsten Trennen lockerer zu bleiben. ;o)
    Ich find’s super, dass du die Shirts so noch weiter tragen kannst und den Partnerlook mit dem Stöpselchen mag ich besonders.
    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Danke, Petra! Ich glaube, wäre nicht zufällig Muttertag gewesen, hätte ich das auch nicht geschafft. Aber an dem Tag durfte ich alle drei Tages-Schläfchen delegieren. Das schenkt Zeit!
      Liebe Grüße
      Meike

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  6. Die Arbeit hat sich gelohnt. Kann ich gut verstehen, dass diese Shirts zu Lieblingsstücken bei Dir geworden sind. Sie sehen auch in Normalversion richtig schön aus. Hach, ich finde Deinen Beitrag sehr ermutigend, mich auch mal mehr ans Ändern heranzuwagen.
    Liebe Grüße
    Victoria

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