Kindersachen

Herausforderungen braucht der Mensch. Oder?

Nach den letzten Wolle/Seide-Bodys, bei denen ich mich zum letzten Mal am Doppelfaltschrägbinder der Coverstitch-Maschine versucht hatte, habe ich beschlossen, diese elende Zubehörteil jetzt in die Versenkung zu verbannen. Vielleicht hole ich es in ein paar Jahren wieder raus, wenn ich mehr Frusttoleranz besitze. Dafür habe ich aber den – eigentlich sinnlosen – Ehrgeiz entwickelt, wenigstens mit dem Einzelfaltschrägbinder zur Perfektion zu gelangen.

Mit Bündchenware bin ich da oft schon ziemlich nah dran. Manchmal ärgere ich mich aber, dass es mit Jersey so schlecht klappt. Es gibt Stücke, bei denen ich gern keinen Kontrast an der Einfassung hätte, sondern den Kleidungsstoff verwenden möchte, und vor allem sind Jersey-Einfassungen auch flacher und etwas weicher.

Also zur Tat geschritten: Ich habe zwei Regenbogenbodys nach dem Schnabelina-Freebook ausgeschnitten und Einfassstreifen aus Stoffonkel-Jersey dazu. Letzteren finde ich eher nicht so weich, sondern stabiler als den Durchschnitt, da habe ich gehofft, dass der Kontrast zu Bündchen erst mal nicht so groß ist. So, und dann auf in den Kampf! Einfädeln in den Schrägbinder ging schon mal, aber doch ein bisschen fummeliger als mit Bündchenstreifen, weil sich der Jersey schlechter umgelegt hat.

Als ich erst mal so weit war, hat die Maschine mir das auf den ersten Zentimetern ordentlich verarbeitet. Bis zur Ausschnittrundung, als ich in alter Gewohnheit Zug auf den Streifen gegeben habe, weil man ja in den Innenrundungen stärker dehnen soll. Vermutlich habe ich routinemäßig gleich stark gezogen wie bei Bündchen, und für Jersey war das viel zu doll. Der hat aus Protest Längsfalten gezogen, ist dadurch aus dem Schrägbinder gerutscht und wollte hässliche, krumpelige und ungleichmäßige Einfassungen produzieren. Ich kenn den Effekt schon, merke das inzwischen schnell und greife sofort mit der Pinzette ein, auch wenn man für die nächsten Zentimeter jeweils nur bedingt etwas retten kann.DSC_1504

Ich glaube, von den vier Teilen Halsausschnitt (zwei Bodys…) ist mir das bei dreien so gegangen. Vielleicht auch bei allen und ich hab es nur verdrängt. Eigentlich hätte ich es ja spätestens nach dem zweiten wissen können. Aber vielleicht bin ich da einfach nicht spontan genug…DSC_1505

Immerhin stelle ich beim Anziehen erleichtert fest, dass die Bodys tragbar sind. Der Ausschnitt sitzt wirklich nicht toll, aber die Beinausschnitte gefallen mir gut.DSC_1503

Im Ergebnis sind die Einfassungen okay, aber ich habe ganz klar mein nächstes Lernfeld identifiziert: Jerseyqualität für Einfassungen erkennen und Fingerspitzengefühl beim Verarbeiten entwickeln. Ich würde das nämlich gern besser können, weil mir die dünnen, weicheren Kanten am Body gut gefallen. Da lässt sich auch die Nahtzugabe besser zur Seite steppen als bei Bündcheneinfassungen.Trotzdem habe ich mich nach den beiden Bodys gefragt, ob man wohl jemals in Sphären kommt, in denen man beim Nähen das Gefühl hat, alles aus dem Ärmel zu schütteln. Und dann habe ich überlegt, ob mir das noch Spaß machen würde. Klar frustrieren mich manche Nieten-Projekte, aber es macht auch stolz, etwas Neues zu bewältigen. Na ja, ist im Moment eine akademische Frage. Ich bin von alles-aus-dem-Ärmel-Schütteln noch viele Jahre entfernt.

Verlinkt zu Menschen(s)kinder und Nähzeit am WE

Ein Kommentar zu „Herausforderungen braucht der Mensch. Oder?

  1. Liebe Meike!
    Da hast du deinem Stöpselchen zwei hübsche Bodys genäht. Ich werde sicher nie in die Situation kommen, etwas so einwandfrei zu nähen. Dafür erwischt mich zu oft die Faulheit und damit verbundene kleine Fehler. Aber ich freue mich auch immer, wenn ich Sachen ohne Anleitung und mit Abänderung hinbekomme, auch wenn dann noch kleinen Pannen dabei sind.
    Herausforderungen beim Nähen finde ich manchmal schon reizvoll, aber nur, wenn ich das mit ausreichend Zeit machen kann.
    Liebe Grüße Iggy

    Gefällt 1 Person

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