Kindersachen

Cord-Knopfbüx für dünne Beine

Hosen nähen für den großen Stöpsel finde ich eine kontinuierliche Herausforderung. Ich dachte ja lange, Kinder haben einfach Konfektionsgröße gleich Körpergröße und fertig. Dass die kleinen Stöpsel aber mehr in die Länge als in die standardmäßig dazu vorgesehene Breite wachsen, ging bei den beiden älteren ziemlich schnell. In den letzten Wochen hat der große Stöpsel mehrmals versehentlich die Hosen des kleinen in Größe 110 oder 116 angezogen und sich nicht mal gewundert, dass sie nur wadenlang sind. Noch ist ihm seine äußere Erscheinung oft egal. Aber mit nackten Fußgelenken gehen im Winter nur Hipster, nicht die kleinen Stöpsel. Basta.

Also brauchte und braucht das Kind neue Hosen, und die müssen zwar der Länge 134 entsprechen, dürfen aber auf keinen Fall so breit sein wie Größe 134, sonst verliert es sie vom Allerwertesten. Im ersten Anlauf wollte ich die Knopfbüx von Lumali nähen, die schon ganz lange auf der Festplatte schlummert. Das ist eine eher bequeme Hose mit nicht allzu breiten Beinen und witziger Känguru-Taschenlösung, für die ich Bio-Genuacord gekauft hatte. Keine Ahnung, was Genuacord genau sein soll, ich war zu faul zum Nachlesen. Es ist jedenfalls relativ stabiler Cord mit feiner Rippung.

Im Ebook steht im Kapitel „Größenanpassung“ so schön: „Wenn Dein Kind besonders schlank ist, empfiehlt es sich, eine Nummer in der Weite schmaler zu nähen.“ Ich wollte Weite 122 nähen, und so einfach ist das gar nicht. Bei den meisten Hosenschnitten kann ich Leib- und Beinhöhe behalten, aber eine schmalere Seitenlinie schneiden. Das geht hier nicht, weil die Vorderhose aus oberem Teil, Taschenbeutel und unterem Teil zusammengesetzt wird. Deren Wölbungen passen nicht mehr zusammen, wenn ich eine Größe 134 einfach schmaler mache. Ich habe eine Weile ratlos den Schnitt angestarrt und mich am Ende entschlossen, obenrum komplett die 122 auszuschneiden, den Beinen aber eine neue Wölbung zu zeichnen, damit sie bis zur 134 reichen. Einen Sattel an der Hinterhose habe ich mir geschenkt.

Um das Fusseln ein bisschen zu reduzieren, habe ich ausnahmslos alle Kanten bis auf den oberen Rand vor dem Nähen mit der Overlockmaschine versäubert. Das hat wirklich viel geholfen. Beim Zusammensetzen der Vorderhose fand ich, dass das Ebook nicht durchgehend gut betextet und fotografiert ist; einen Schritt konnte ich nur durch Logik überbrücken, weil ich ihn im Ebook nicht sicher erkannt habe. Insgesamt finde ich das Ebook aber sonst gut, und die sehr kontrastreiche Stoffwahl dort macht das Nachnähen auch ziemlich reibungslos möglich.

Ich hatte dem großen Stöpsel zwei Schnitte und zwei Cordstoffe gezeigt, und er hatte sich den blauen Cord für diese Hose ausgesucht. Wir haben uns auf Rot als Kontrastfarbe geeinigt, und da war ich echt froh, weil ich nämlich kein besonders großes Knopf-Sortiment besitze, aber zufällig zwei sehr schöne rote Tidöblomma-Kokosknöpfe in meinem 2018er Adventskalender gehabt hatte. Die habe ich frei Hand platziert und auch mit der Hand festgenäht.

Der Rest war unspektakulär, ich habe die Hose am Ende knapp gesäumt und war fertig. Beim Hochhalten war ich erst mal überrascht, wie tief der Schritt sitzt. Das hatte ich vor dem Bauchbündchen nicht so empfunden, aber Letzteres verlängert die Hose oben natürlich deutlich. Für die Passform ist das sicher günstig. Skeptisch war ich aber, was die Bewegungsfreiheit betrifft.

Ich habe den großen Stöpsel also die Hose anprobieren lassen und habe mich dann bemüht, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich zwischen Frust und Entsetzen schwanke. Die Hose ist echt deutlich zu kurz. Ich habe sehr genau geschnitten und gesäumt, daran kann es nicht liegen, aber sie reicht im Stehen nur gerade bis zum Knöchel. Und das Kind ist zurzeit 130 cm groß, müsste also mit einer 134er Hose noch Luft haben.

Ich habe ihn vorsichtig gefragt, ob er sich darin gut bewegen kann, und das hat er mir vorgeführt. Er fand, dass das gut geht. Ich war nicht so überzeugt. Bestätigt wurde ich am nächsten Morgen, als er zehn Meter nach dem Losfahren zur Schule die Weiterfahrt verweigerte, „weil die Hose so scheiße hochrutscht!“ Jaaa, beim Spracherwerb verzeichnen wir Ausrutscher…

Ergo ist die Hose wieder auf meinem Schreibtisch gelandet, damit sie lange Bündchen an den Hosenbeinen bekommen kann. Er findet sie nämlich sonst schön, aber durch den tiefen Schritt rutscht sie auf dem Fahrradsattel ohnehin schon ein Stück hoch, und da sie außerdem noch an der Hochwasser-Grenze liegt, geht das dann einfach nicht mehr.

Die Bündchen habe ich etwas weiter gelassen als sonst, also nur mit 0,8 multipliziert, damit die Hose nachher nicht nach Pumphose aussieht. Das gefällt mir im Ergebnis gut, aber man sieht jetzt auch ganz klar, dass die Mehrlänge bitter nötig war. Großartig „auf Zuwachs“ ist das auch jetzt nicht, mit acht Zentimeter Bündchen. Und vom Cordstoff hat sie ja auch ein, zwei Zentimeter zurückbekommen, weil ich den Saum aufgetrennt habe.

Ich muss wirklich sagen, dass ich mir von dem Schnitt mehr versprochen hatte. Ja, diese Front mit den Knöpfen ist niedlich, und die drei Vorderhosen-Schnittteile sind auch sehr ordentlich gradiert und passen akkurat aufeinander. Aber die Passform ist für ein Schulkind einfach schlecht. Ich werde bestimmt noch mal eine Knopfbüx nähen, aber dann aus dehnbarem Stoff, in einer kleineren Größe für einen meiner Kita-Stöpsel und von vornherein mit Beinbündchen. Schade!

Verlinkt zu Menschen(s)kinder, der Biostoff-Linkparty, The Creative Lover,
creadienstag, Handmade on Tuesday und Dings vom Dienstag

6 Kommentare zu „Cord-Knopfbüx für dünne Beine

  1. Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht! Ich hab ja so gar keinen Plan, was Kinderkleidung nähen angeht… und finde es wirklich großartig, wie Du das meisterst und auch bei solch Größenanpassungen gute und kreative Lösungen findest, SUPER!!!
    Liebe Grüße an Dich von Katrin

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    1. Liebe Katrin, danke für dein Lob, aber ich glaube, du hast in deinem Nähzimmer einen mindestens so guten Plan für Quilten und Webware-Verarbeitung wie ich für Kinderkleidung. Ich hätte nicht mal eine Marylin Fuchs pannenfrei hingekriegt, geschweige denn zwölf, und für solche Nettigkeiten wie Dosenkleider fehlt mir schlichtweg die Geduld…
      Liebe Grüße!
      Meike

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  2. Das Problem mit den dünnen Kerlen hab ich auch. Zuletzt hab ich eine Hose um zwei Größen enger als die Länge genäht – mit dem Ergebnis: Die ist so weit, die zieh ich auf gar keinen Fall an….
    So einen Schnitt wie diesen würden meine auf gar keinen Fall tragen – es schaut schon etwas gewöhnungsbedürftig aus, v.a .ohne Bündchen unten.
    Mit den Bündchen ist es viel stimmiger.
    Lg Iris

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    1. Hallo Iris, ich bin auch froh über die nachträglichen Bündchen. Der Schnitt ist bis 140 im Angebot, aber ich finde wirklich, dass er für größere Kinder seltsam aussieht. Aus dunkelblauem Cord fällt das zum Glück nicht so auf, aber das Kind beschwert sich, dass sie zum Toben doof sei. Kann ich verstehen…
      Liebe Grüße!

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  3. Ich habe vor Kurzem auch erst wieder Weite 116/Länge 134 genäht. Gut, dass wir unseren Kindern passende Kleidung nähen können.
    Mir gefällt die Hose mit Bündchen am Bein besser, als gesäumt. Da hat die Notlösung noch was Positives. Grundsätzlich würde ich sie aber auch eher für jüngere Kinder nähen.
    Liebe Grüße!

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    1. Ja, Tina, das denk ich auch jedes Mal wieder, wenn ich deine Stücke für den Ältesten sehe. Da könnten wir uns im Laden dumm und dämlich suchen und würden nichts Kompromissfreies finden. Und ich mag die Hose auch mit Bündchen lieber.
      Liebe Grüße!

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