Kindersachen

Pimp my Pommes-Hose

Anfang des Jahres hatte ich dem großen Stöpsel eine Pommes-Hose genäht, und zwar etwa ein halbes Jahr nach dem Pommes-Trend, als der Stoff nicht mehr so abwegig teuer war. Damals hatte ich die Studio-Schnittreif-Sweathose „Pauli“ als Papierschnitt ausprobiert, deren Anleitung mich mal überhaupt nicht vom Hocker gehauen hatte (siehe hier).

Die Hose saß in Größe 128 sehr gut, sie ist schmal geschnitten und kam dem großen Stöpsel damit sehr zupass. Allerdings hat er sie so oft und so ausdauernd getragen, dass sie nach einem guten halben Jahr schon durchgetobt und nicht mehr zu reparieren war, und zwar im Wesentlichen durch Stoff-Ermüdung an der hinteren Schrittnaht.

Nachdem er sie nun so geliebt hatte, habe ich ein neues Stück Pommes-Sweat aufgetan und dem Kind eine neue Pommes-Hose versprochen. Dafür wollte ich aber einen anderen Schnitt nutzen, der oben etwas mehr Bewegungsfreiheit bietet. Der Stoff dehnt sich nämlich wirklich wenig. Meine Wahl ist auf die Hose „Jinx“ von rosarosa gefallen, die oben weit und am Bein schmal ist.

Die Anleitung fand ich zwar ordentlich bebildert, den sehr unruhigen Stoff darin aber keine ideale Wahl, weil manche Details auf den Fotos dadurch schwer zu erkennen waren. Das Vorderteil hat eine Art Latz, der von der Mittelnaht aus zu einer Seite geklappt und an der oberen Kante mit in den Bund gefasst wird.


Nicht so richtig verstanden habe ich, warum dieser Latz an einem Vorderteil „dranhängen“ soll, beim anderen aber einzeln zugeschnitten und im Schritt angenäht wird. Ich erkenne den Sinn nicht gegenüber zwei Vorderhose-mit-Latz-Teilen, die man dann zu einer Seite klappt. Im Grundschnitt hat die Hose keine Taschen, es gibt aber mehrere „Pimp my Jinx“-Elemente, deren Titel ich übrigens unendlich albern finde. Ich habe nur eine Tasche genäht, weil der große Stöpsel meist wenig Bedarf an Stauraum hat und es mir mehr um die Optik ging.

Die Hinterhose hat einen Sattel, der mir gut gefällt. Das verbessert wirklich oft die Passform. Und man kann die Hose mit Bündchen oder mit Tunnel und Gummizug nähen. Ich habe mich für den Gummizug entschieden, weil der an dem langen schmalen Kind besser sitzt.

Noch eine Stelle mit Fragezeichen für den Sinn waren die Hosenbeine. In der Anleitung steht, dass sie „hoch gesäumt“ werden. Ja, darunter kann ich mir was vorstellen. Seltsam fand ich aber, dass separate Saumumschläge zugeschnitten werden, also sozusagen Innenteile für den Hosensaum. Die werden an der Unterkante angenäht, hochgeschlagen, festgesteppt und dann die gesäumte Hose an der Innenbeinnaht zusammengenäht.

Das finde ich keine umwerfende Lösung. Ja, den hohen Saum mag ich, aber für meinen Geschmack ist wirklich nicht optimal, dass man ja dann innen einen offenen Nahtanfang hat, an dem man die Fadenraupen einziehen soll und der einfach nicht besonders schick aussieht. Dann doch lieber flach säumen und sauber enden…

Der große Stöpsel hat sich ganz enorm über seine neue Pommes-Hose gefreut. Ich war allerdings nicht so begeistert, als er sie angezogen hatte. Dieser Latz vorn hat mehr etwas von Lendenschurz als von optischer Besonderheit. Ich hatte ihn extra gebügelt, und das mache ich bei Kindersachen sonst nie, aber er steht trotzdem total weit ab.

Auch von der Seite sieht das Stück irgendwie seltsam aus, weil die Hose nach vorn enorm viel Volumen bekommt und bei dem Sechsjährigen ein bisschen nach Windelpo aussieht.

Der Stöpsel-Papa findet, dass man die Hose nicht außerhalb der häuslichen vier Wände tragen kann. So schlimm finde ich es für ein Kind dann doch nicht, zumal es in Bewegung etwas weniger auffällt. Aber ich habe mir daraufhin noch mal die vielen Beispielbilder des Ebooks angesehen. Fast alle Hosen, die dort präsentiert werden, haben mit Knöpfen fixierte Hosenlätze. (Ich musste den Plural erst mal im Duden nachsehen und habe gelernt, dass sowohl Latze als auch Lätze richtig ist…) Abgesehen davon scheint mein Sohn einfach zu schmal zu sein. Ich habe die Hose in Größe 134 genäht, den Gummizug aber für Größe 122 zugeschnitten, weil das seinem Bauchumfang-Maß entspricht. Offensichtlich fiel keines der Modellkinder im Ebook so stark aus Standardmaßen heraus. Bei keinem einzigen steht der Latz seitlich über die Hüfte hinaus ab.

Okay, dafür kann die Schnittmuster-Erstellerin nun wirklich nichts. Ich denke, ich werde dem Latz drei farblich unauffällige Kam Snaps verpassen und ihn damit flach an der Hose fixieren. Das sieht irgendwie doch gefälliger aus. Und als Nächstes probiere ich den Schnitt am Stöpselchen aus. Das ist nämlich ein normal speckiges Baby und noch nicht so in die Höhe geschossen wie die großen Brüder. Mal sehen, vielleicht sitzt er da ja besser.

Verlinkt zu Menschen(s)kinder, creadienstag, Handmade on Tuesday und Dings vom Dienstag

6 Kommentare zu „Pimp my Pommes-Hose

  1. Im Liegen sieht die Hose noch toll aus, aber ich kann deinen Unmut über die Trageform nachvollziehen. Kann man den Latz nicht etwas abflachen, dass die Rundung nicht so weit übersteht?
    Aber der Stoff ist richtig cool!

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    1. Hallo Ina, ich hab die Hose inzwischen bearbeitet. Zuerst habe ich es mit deinem Vorschlag probiert und dann gemerkt, dass ich dafür beide Steppnähte auf dem Latzrand hätte auftrennen müssen. Dafür war ich zu faul und habe türkisfarbene Kam Snaps eingesetzt, die man erst von Nahem entdeckt und die den Latz an der Hose fixieren. Das hat sich gelohnt, damit geht es jetzt.
      Übrigens: Entdecke ich auf deinem Blog nur nicht einen Button zum Folgen/Abonnieren oder gibt es den nicht? Schade… Dann schau ich eben immer mal so vorbei.
      Viele Grüße!
      Meike

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  2. Liebe Meike, so schön der Stoff ist und die Beine finde ich auch von der Passform toll, so seltsam finde ich die Hose oben. Das Problem dieser eher dürren Kinder kenne ich hier auch (was ich deutlich zu viel habe, fehlt dem Kind ebenso deutlich) – ich dachte immer er ist einfach eher normal bis schmal, habe aber zum ersten Mal einen Echtgrößenschnitt genäht und da bin ich locker 5cm unter der Weite XXS gelandet … das hat mir zu denken gegeben … – ich werde, um mir gerade auch bei Hosen weitere Desaster zu ersparen, jetzt immer zu Echtgrößenschnitten greifen oder oben wirklich auf einen schmalen Sitz achten. Meiner liegt jetzt am Anfang von 128 und ich merke ich kann nicht mehr einfach die Länge nehmen und dann verschmälern, es passt einfach nicht mehr. Bei diesem Latz sieht man das hier auch ganz deutlich, er ist einfach zu breit – wenn du ihn verschmälern könntest (vielleicht in der Mitte Weite rausnehmen?), dann passt es vielleicht besser. Insgesamt finde ich die Passform gar nicht so schlecht, nur ist vorn selbst ohne Latz im Schritt irgendwie zu viel Stoff … auch das ist mir leider sehr bekannt. Ich werde mich mal an die Echtgrößenschnitte bei Hosen machen demnächst und berichte dann, vielleicht ist das ja auch für dich interessant. Liebe Grüße Ingrid

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    1. Hallo Ingrid, das wäre sehr interessant! Ich habe hier zu Hause schon drei Echtgrößen-Schnitte liegen, habe mich nur bisher immer davor gedrückt, sie umzusetzen. Gut geklappt hat bei mir bisher, bei einem bestimmten Schnitt unterschiedliche Längen und Breiten zu kombinieren. Das gibt aber nicht jedes Schnittmuster her. Und wenn man mal was anderes will, ist so eine echt Größe eine gute Lösung.
      Mit der Pommeshose muss ich noch mal irgendwas machen, das wäre sonst so schade um den Stoff. Das Kind zieht sie nämlich bisher nicht an. Liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr!

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