Für Erwachsene

Glockenrock im Turbo-Tempo

Als das Probenähen für den Näähglück-Adventskalender begann, habe ich ganz motiviert in das Dokument eingetragen, welche Stücke ich nähen will. Der Rock Lumi war nicht dabei. Ich fand den breiten Jersey-Bund so kurz nach der Geburt nicht besonders reizvoll, weil er sich so schön an alle Bauchrollen anlegt. Gedruckt, geklebt und ausgeschnitten hatte ich ihn zwar zwischendurch, habe mich bei der Länge aber dann gefragt, wo ich so ein Fähnchen hinziehen sollte, und das Papier erst mal wieder weggelegt. Ja, Verlängern, stimmt, aber dieser Bund…

Kurz vor dem ersten Dezember kam eine weitere Variante dieses Rocks, schmaler und länger als der erste, und dafür wurde dringend um Tests gebeten. Hach, hab ich gedacht, das versuch ich dann doch mal. Der Rock hat neben dem Bund nur zwei Teile, weil die Taschenteile direkt an den Rockteilen hängen, und die habe ich mir selbst mit dem Stöpselchen zugetraut. Ich habe einen Webstoff mit Elasthananteil in den Bruch gelegt und dann noch mal gefaltet, so dass ich die zwei Teile in einem Rutsch vierlagig zuschneiden konnte. Dass die Taschen schon mit am Schnittteil hängen, finde ich total genial – gerade bei meinem Hang zu Nahtzugaben pi mal Daumen…

Man sieht das am fertigen Rockteil auch gar nicht, dass die Tascheneingriffe keine Nähte haben. Es ist sozusagen einfach eine Höhle in der Seitennaht. Das finde ich – mit aktuell chronischem Zeitmangel – einfach super. Das Nähen hat inklusive Versäubern wirklich nur 15 Minuten gedauert, das Säumen noch mal so lange.

Ich hatte den Rock ja nur in „schmaler“ genäht, konnte also zum Vergleich gar nichts sagen, aber Lumi ist ursprünglich ein klassischer Glockenrock. In meiner Variante fällt er zwar faltig, ist aber wohl doch deutlich weniger voluminös als ein typischer Glockenrock.

Mit dem sehr bequemen Bund war ich beim Anziehen erstaunlich zufrieden, ich geh ja mit dem Rock nicht bauchfrei. Dadurch sieht man davon nur die Kontrastfarbe, die ich gewählt habe – der Stoff ist von Nahem dunkelgrau mit winzigem Muster in Rosatönen. Vor zwei Jahren hatte ich ihn gekauft, um eine Bluse zu nähen. Seitdem trau ich mir die Bluse nicht zu…

Was allerdings echt überhaupt nicht mein Fall ist, ist die Länge. Die finde ich ultrakonservativ, da habe ich mich gefühlt wie diese Religionsanhänger mit den Aufstellern an Bahnstationen, die immer ihre Erweckungsliteratur an den Mann bringen wollen. Mit Stiefeln geht es noch, aber schick ist anders.

Nun gut. Angesichts der Tatsache, dass mein Pferdefuß eigentlich der Bund hätte sein sollen und ich den nun doch ganz gut fand, hat sich das Testen des Rocks doch gelohnt. Wahrscheinlich lasse ich einfach meine Overlockmaschine den Saum abschneiden und säume dann neu. Das ist dann genau die vier Zentimeter weniger, die ich wegen meiner Körperlänge zugegeben hatte und die jetzt für meinen Geschmack zu viel sind. Das Tragegefühl mag ich nämlich doch, und da wäre Entsorgen zu schade.

Wer sich auch an Lumi versuchen will – schmal, weiter, kurz oder länger – kann das hier tun: Näähglück-Adventskalender

Verlinkt zu Nähzeit am WE

Den Schnitt für den Rock „Lumi“ habe ich im Rahmen der Näähglück-Adventswerkstatt kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung dazu ist trotzdem ehrlich.

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