Kindersachen

Lieblingsstück: Wolle-Seide-Luxusanzug

Ganz am Anfang der Schwangerschaft, als ich des Stöpselchens Garderobe geplant habe, hatte ich zwei halbe Meter Wolle-Seide-Jersey gekauft, an die ich mich aber ewig nicht rangetraut habe. Als das Stöpselchen dann nicht so früh erscheinen wollte wie alle prognostiziert haben und der Herbst näherrückte, habe ich mir Anfang September doch ein Herz gefasst und das Stück „Schifffahrt auf Nachtblau“ von Danischpur aus dem Schrank geholt.

Für den kleinen Stöpsel hatte ich damals auch einen Wolle-Seide-Anzug (gekauft), und genau so wie der sollte der genähte auch aussehen – mit Wickelleiste und amerikanischem Ausschnitt, damit man ihn nach oben und unten an- und ausziehen kann und beim Kuscheln keine Druckknöpfe in den Babybauch drücken. Der tolle Stoff soll ja auf die nackte Haut. Klar hätte ich in den Weiten meiner Schnittmustermappen alle Bauteile gefunden, um mir so ein Schnittmuster zusammenzubauen. Aber ich war zu faul. Also habe ich eine Weile im Internet nach Schnittmustern mit genau diesen Kriterien gesucht und bin schließlich beim Einteiler Pepino von bunte-Nähigkeiten fündig geworden. Der kann mit und ohne Füßlinge genäht werden und sieht eigentlich Bündchen an Armen und Beinen vor, aber um ein Bündchen durch eine Einfassung zu ersetzen, muss ich ja nicht mehr basteln. Das fand ich okay.img_0047Den ersten Einteiler habe ich in Größe 62 zugeschnitten. Ich finde ihn eher breit, aber das ist wohl besser als zu eng. Für die fehlenden Bündchen habe ich am Bein genau die Bündchenlänge zugegeben, am Arm satte fünf Zentimeter. Umkrempeln geht ja immer noch. Ich habe nicht mal in Erwägung gezogen, hier den Bandeinfasser in Aktion zu bringen. Mit so weichen, rutschigen Stoffen hat der bisher immer den Dienst verweigert. Außerdem ist der Stoff ohnehin so dünn, und ich wollte ja Druckknöpfe einsetzen, hätte also von einer besonders feinen Einfasskante gar nicht profitiert. Statt dessen habe ich die Einfassstreifen mit der Overlockmaschine angenäht, umgesteckt und dann mit der Vier-Faden-Naht der Coverstitch festgesteppt.img_0049Das sind nun zwar relativ massive Kanten, aber ich finde sie nicht schlecht. Stabil sind sie nämlich allemal. Eingefasst habe ich im ersten Anlauf die Ausschnittkanten vorn und hinten, die Ärmel und die Beininnenkanten. Dann habe ich den Anzug im Wesentlichen zusammengesetzt, also den amerikanischen Ausschnitt geheftet und die Ärmel angenäht. Vor den Seitennähten musste ich ja noch irgendwie diese Wickelöffnung verbinden. Dafür habe ich den Anzug glatt hingelegt und dann die Beinausschnitte an den Fußenden mit einem Rechteck aufeinandergesteppt. So war ich sicher, dass sie aufeinandertreffen und dass man beim Öffnen nicht immer den Zug auf der Fußeinfassung hat.img_0039Diese entstandene lange Kante habe ich auch wieder eingefasst, und danach konnte ich die Seitennähte schließen.img_0046Ich habe zwar alle Stellen, an denen Einfassungen aufeinandertreffen (Ärmel und Beinenden) vorher mit der Nähmaschine geheftet, damit sie nicht verrutschen, aber ganz ohne Versatz klappt das nie. Keine Ahnung, warum.img_0045Diesen Anzug habe ich bewusst total schlicht gehalten. Ich steh auf bunte Kinderkleidung, aber mal ein unauffälliges Stück dazwischen kann auch seine Vorteile haben. Was die Breite betrifft, war ich nach wie vor skeptisch, aber insgesamt mag ich den Anzug sehr. Der Stoff ist einfach herrlich.img_0044Da das Stöpselchen ja schon mit 58 Zentimetern gestartet ist, habe ich den Anzug mit zwei Wochen „in Betrieb genommen“ und konnte meine Selbstbau-Elemente mal testen. Nacheinander:

Die eingefassten Ärmel haben eine gute Länge und sitzen auch vernünftig am Arm, ohne groß hochzurutschen.DSC_0442Die Beine hätte ich schmaler machen können, wenn ich keine Bündchen annähe, sondern einfasse. Sie sind am Knöchel doch seeehr weit, und wenn ich die Anzugbeine in die Socken stecke, um sie zu fixieren, entsteht ein echt dicker Gnubbel.DSC_0440Sehr zufrieden bin ich mit der eingefassten Wickelleiste. Die hält gut, lässt sich problemlos öffnen, ohne dass ich Sorge vor Ausreißen habe, und bleibt an der richtigen Stelle sitzen.DSC_0439 (2)Beim Wickeln sieht man mal, wie weit und dehnbar das Material ist. Für den Wickel-Alltag ist das sehr praktisch, und ich hatte auch noch nicht das Gefühl, dass der Anzug unliebsame Falten unter der anderen Kleidung schlägt. Insofern kann ich meine Skepsis  bezüglich der Breite ablegen. Den Anzug liebe ich sehr, und er hält das Stöpselchen schön warm. Gut, dass ich noch einen halben Meter Wolle-Seide-Jersey habe…DSC_0443 (2)

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10 Kommentare zu „Lieblingsstück: Wolle-Seide-Luxusanzug

  1. Da ist dir ein wunderschöner Anzug gelungen! Der Schnitt sieht gemütlich und praktisch aus – ich hab für Recherche oft keine Geduld.
    Zum Stoff brauch ich nix sagen – du weißt ja, ich liebe WS – und genau von dem Motiv hab ich 2m gekauft! Die Kinder haben daraus Unterhemden und Shirts. Jedes mal wieder freue ich mich, wenn sie kuscheln wollen, denn damit ist es noch gemütlicher…
    LG Petra

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    1. Hallo Petra! Ja, deine WS-Liebe kenne ich, und den Stoff hatte ich bei dir auch schon gesehen. Das Stöpselchen hat meist noch was drüber, da kuschelt es sich unbewusst gemütlicher, aber inzwischen denke ich auch schon über Unterhemden für den großen Stöpsel, die alte Frostbeule, nach…
      Viele Grüße!

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      1. Mein Großer ist auch eine Frostbeule – und mit Unterhemd aus WS ist er sehr glücklich. Beim nähen unbedingt einen sehr schmalen Schnitt wählen oder bis zu 3 Größen schmaler nähen. Das Material dehnt sich einfach sehr und sonst beult alles so. Wir haben 3 Unterhemden pro Kind – das reicht. Muss ja nicht so oft gewaschen werden – lüften reicht, besonders bei älteren Kindern, die sich nicht mehr total voll kleckern…
        Viel Spaß!

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      2. Danke für den Tipp, Petra! Mir ist zwar am Stöpselchen aufgefallen, wie sehr sich das Material dehnt, aber ich hätte trotzdem nicht dran gedacht, Unterhemden schmaler zuzuschneiden. Prima!

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