Für Erwachsene

„Blanc“er Frust, „blanc“e Überraschung

Als ich für unseren Urlaub im Mai gepackt habe, ist mir erst mal bewusst geworden, dass ich mich in dieser Schwangerschaft bis dahin wirklich sehr zurückgehalten hatte mit dem Kauf oder dem Nähen von Umstandskleidung. Zwei Hosen und zwei Leggings habe ich im vierten Monat bestellt, damit ich nicht immer mit Haargummibrücke am Hosenknopf zur Arbeit gehen muss, aber für obenrum fand ich, dass ich das mal selbst machen könnte. Hatte ich nur bislang nicht. Und ich wollte sieben Garnituren Kleidung einpacken, aber ich hatte keine sieben Oberteile, die verlässlich den Bauch bedeckt hätten. Nicht, dass der bei der Reise im sechsten Monat schon so riesig gewesen wäre, aber er wird durch eine ordentliche Speckschicht geschützt, und die wollte ich gern spaltfrei bekleidet wissen.

Ich habe deshalb tatsächlich am Morgen vor der Abreise „noch eben schnell“ zwei Umstands-Oberteile genäht. Das eine war etwas aufwendiger, deshalb sollte ein zweites Oberteil schlicht und zeiteffektiv sein. Ich habe für Letzteres das Freebook „Blanc T-Shirt“ von Melly Sews aus dem Schnittmusterordner gekramt, das angeschnittene Ärmel hat und deshalb nur aus zwei Teilen besteht.

Aus meiner letzten Stoffbestellung habe ich den Lillestoff „Katleen“ gezogen, einen für mich total ungewöhnlichen Bio-Baumwollstoff, der kein Elasthan enthält, dafür aber schwarz mit Golddruck ist. Ich trage so gut wie nie Schwarz, und Gold bisher überhaupt nie. Wie sich der Stoff ohne Elasthan dehnt, verstehe ich auch nicht so richtig, aber er tut es. Muss an der Strickart liegen.DSC_0063Das Rückenteil habe ich fünf Zentimeter länger zugeschnitten als vorgegeben, ansonsten enthält das Schnittmuster schon eine Nahtzugabe von 12 mm, also großzügig. Am Vorderteil habe ich kurz unter der Taillenlinie eine Markierung gesetzt und das Schnittmuster von dort aus fünf Zentimeter verlängert. Nach fünfzehn Zentimetern habe ich die nächste Markierung gesetzt, um das Shirt in diesem Bereich von 15 auf zehn Zentimeter zu raffen. Das erschien mir für einen mittelgroßen Bauch ausreichend. Unten habe ich es auch um fünf Zentimeter verlängert, weil ich das Schnittmuster schon mal ungeändert genäht habe (siehe hier) und es fast nur als Schlafanzug anziehe. Es ist mir eine Idee zu kurz, um mich darin „draußen“ wohl zu fühlen.

Die Ärmel und den Halsausschnitt wollte ich einfassen. Am Hals ist das auch so vorgesehen, die Ärmel sollen eigentlich gesäumt werden. Das ist am Ende durch meine Schulterweite aber dann doch sehr kurz. Zum Einfassen habe ich mir Streifen aus dem Lillestoff zugeschnitten und meinen Bandeinfasser angebaut. Boah, das war ja ein Erlebnis der anderen Art!DSC_0056Der Lillestoff ist so weich und dünn, dass der Bandeinfasser, der den Streifen eigentlich umlegen und dann unter den Nähfuß führen soll, vollkommen überfordert war. Er hat willkürlich gefaltet und umgelegt, aber fast nie so, wie das mit diesem Accessoire eigentlich gedacht ist. An den Ärmeln war es noch vertretbar, wenn man keinen Perfektionsanspruch hat. Der Halsausschnitt dagegen, an dem ich ein bisschen gedehnt habe, ging überhaupt nicht. Da hatte ich am Ende offene Kanten im Einfassband. Toleranz in allen Ehren, aber so geh ich nicht. Also habe ich fluchend und grummelnd diese Einfassung wieder abgetrennt, und das ging auch wirklich nur zartfühlend, weil der Stoff so dünn ist, dass er Ziehen nicht verträgt. Angeblich gehen ja Covernähte mühelos auf, wenn man am Unterfaden zieht. Bei mir nicht. Jedenfalls nicht verlässlich. Etwa 20 Zentimeter habe ich mit dem Nahtauftrenner gepopelt, bis der Faden schließlich ein Einsehen hatte und sich auf der restlichen Strecke auf Zug gelöst hat.

Noch einen Versuch mit Einfassung aus diesem dünnen Jersey habe ich mir (und meiner Geduld) nicht zugetraut und am Ende einfach schwarzes Bündchen genommen. Das ist dann wieder der Vorteil von Schwarz: Es hat keine unterschiedlichen Töne.DSC_0058Mit dem fertigen T-Shirt bin ich erstaunlich glücklich. Ich fühle mich weder in Schwarz noch mit Goldaufdruck fremd, und die Länge ist mir auch angenehm. Auf den Fotos habe ich gedacht, dass ein paar Zentimeter weniger wohl doch gereicht hätten, aber mir ist zu lang lieber als zu kurz.DSC_0057Den Halsausschnitt hatte ich kleiner in Erinnerung und freu mich jetzt über diese Form, aber mir ist auch eingefallen, dass ich die Schulterweite um fünf Zentimeter verbreitert habe und das ja auch immer Einfluss auf den Ausschnitt hat, weil ich die Mehrweite am Bruch erzeuge.DSC_0055Die Einfassung an den Ärmeln ist immer noch faltig und verzogen, aber ich behaupte einfach mal, das sei modern und sollte so.DSC_0059Und mit diesem Ergebnis glaube ich, dass ich den Schnitt noch mal für ein schnelles Umstandsshirt nutzen werde. Das sind ja doch Oberteile für „vorübergehend“, und da darf es schneller gehen und muss weniger perfekt sein. Am Ende ist mein Entsetzen über die elende Halseinfassung also verblasst und vergessen!DSC_0069

Verlinkt zu den LilleLiebLinks, der Bio-Linkparty, der Kugelbauch-Linkparty, Selbermachen macht glücklich, AfterWorkSewing und So mach ich das

6 Kommentare zu „„Blanc“er Frust, „blanc“e Überraschung

  1. Liebe Meike,
    Frust, der in Überraschung umschlägt, das könnte man doch häufiger brauchen. Super, dass das bei deinem Shirt geklappt hat. Für die Ärmel zitiere ich mal meine Oma:“Schief ist modern.“ ;o) (und vermutlich fällt es auch niemandem auf)
    Liebe Grüße! Tina

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  2. Das ist ein superschönes shirt, es steht dir prima! Und Respekt, dass du es so toll für dich angepasst hast … mal schnell … liebe Grüße Ingrid

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  3. Ein sehr schickes Shirt für deinen Bauch, und dich! Es steht dir ausgezeichnet und wo bitte ist der Speck versteckt 😉
    Ich habe keine Cover und daher fasse ich NIE ein, dass wird nämlich schon auf den Teststücken immer krumm und schief. Es kommt überall Bündchen dran oder Saum oder bei meinen Ausschnitten auch mal ein Beleg. Da kann ich auch hervorragend V-Ausschitte ohne verzogene Seiten hingenommen.
    LG Petra

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