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Mutterpass-Hülle mit kleinen Hürden

Seit ein paar Wochen habe ich als neuen ständigen Begleiter in der Handtasche (wieder) einen Mutterpass. Die guten Stücke werden einem ja in der Arztpraxis in einer Hülle ausgehändigt, und bei den ersten beiden Schwangerschaften durfte ich noch zwischen je drei verschiedenen Varianten wählen. Das erste Mal hatte ich Retro-Blumen auf Grün, das zweite Mal eine schlichte farblose Hülle eines Milchnahrungs-Herstellers. Dieses Mal konnte ich nicht aussuchen, sondern habe eine unwahrscheinlich hässliche, steife und dicke Hülle mit Werbung einer Stammzellbank bekommen. Dass ich die nicht bis Frühherbst mit mir rumtragen wollte, war mir sofort klar.

Ich hatte kurz den faulen Impuls, mir eine Mutterpass-Hülle bei DaWanda auszusuchen, und habe dann doch erst mal nach Anleitungen im Internet gesucht. Gelandet bin ich bei der sehr gut bebilderten und beschriebenen Anleitung von Mamahoch2, und damit war DaWanda raus. Ich meine, wie schwer kann eine viereckige Hülle schon sein?

Als ich über passenden Stoff nachgedacht habe, ist mir erst ein Rest Wachstuch in den Sinn gekommen – rot mit weißen Punkten -, der irgendwo ganz unten in der Stoffkiste schlummern muss. Beschichteten Stoff fand ich eine gute Idee, weil er doch ein bisschen stabiler ist als „nur“ Baumwolle, und als Dauergast in der Handtasche wollte ich ein etwas robusteres Modell. Beim Suchen des Stoffrests bin ich auf eine Rolle beschichteten Stoff mit Libellen-Motiv gestoßen. Ich meine, der war mal vom Stoffmarkt. Den fand ich dann doch besser als die Punkte; etwas schlichter und gedämpfter. Als Innenstoff habe ich einen Rest von meinem Mantelfutter verwendet, einfach dunkelblaue Popeline.

Für die Mutterpasshülle soll man zuerst zwei Streifen von 19 mal 51 Zentimeter Länge aufeinandernähen und wenden. Ich habe die empfohlene Wendeöffnung um zwei Zentimeter länger gelassen, aber das war trotzdem knapp. Wachstuch wendet sich nicht toll…DSC_0148Zuschneiden sollte man außerdem je aus Außen- und Innenstoff einen Einschlagstreifen von 19 mal sechs Zentimetern, und auch die rechts auf rechts nähen und wenden. Da habe ich die Wendeöffnung weiter an den Rand gesetzt, das ging besser.

In der Anleitung ist dann sehr präzise beschrieben und bebildert, mit welchen Abständen man die kurzen Seiten umklappen und den Einschlagstreifen fixieren soll. Wenn man das geschafft hat, ist man der fertigen Hülle schon ziemlich nah.DSC_0149Ich hatte ein bisschen zu kämpfen, weil man bei Wachstuch im Idealfall einen Teflonfuß verwenden würde, an dem der Stoff nicht haftet. Ich besitze keinen Teflonfuß und habe drauf vertraut, dass mein Obertransportfuß das meistern wird. Hat er im Wesentlichen auch, aber er hat immer verweigert, wenn ein Absatz aus Wachstuch kam, also bei jeder Klappe und dem Einschlagstreifen. Da musste ich jeweils an der exakt passenden Stelle die Nadel senken, den Fuß einmal heben, das Wachstuch nachrutschen lassen und weiternähen. Das klappte zunehmend besser, aber meine Nähmaschine tat mir ein bisschen leid mit der Aufgabe.DSC_0150Dafür sah es nachher aber selbst von außen, wo die Unterseite meiner Naht lag, erstaunlich sauber genäht aus. Ich hatte mit einem eher krumpeligen Unterfaden gerechnet, aber das sieht doch vernünftig aus. Das Label hatte ich ganz zu Beginn auf den Außenstoff aufgenäht, nachdem ich durch provisorisches Klappen getippt hatte, wo es nachher landen soll. Hat schön gepasst!

Es fehlte nun noch der Verschluss, und der wird außen aufgenäht. Dazu muss man die Hülle einmal so zuklappen, wie sie am Ende genutzt werden soll, und von da aus den Verschluss positionieren. Das ist in der Anleitung aber auch mit Maßen und Foto gut erklärt. Die Herausforderung ist nur, dass diese Stelle innen unter dem Einschlagstreifen liegt und ich den Wachstuch-Verschluss ja nicht stecken konnte. Ich habe also krampfhaft mit einer Hand den Verschluss auf die richtige Stelle gepresst und mit der anderen Hand die Hülle mit dem weggeklappten Einschlag unter den Nähfuß gewurschtelt, was ja bei Wachstuch keine besonders gut gleitende Angelegenheit ist.

Es hat aber geklappt, und dann habe ich mich frohen Mutes daran gemacht, Löcher für die Kam Snaps in Verschluss und Hülle zu bohren. Haaaaa, und dann habe ich gemerkt, dass ich zu voreilig war. Ich habe in der Hülle durch Außenteil und Einschlagklappe gebohrt, und wenn ich da den Kam Snap einsetze, kann ich ja das Heft nicht mehr einstecken!DSC_0151Mir ist das aber immerhin nach dem Bohren und nicht erst nach dem Kam Snap aufgefallen. Also hat die Hülle jetzt ein überflüssiges Loch innen, aber ich lebe damit ganz gut…

In die fertige Hülle wollte ich nun stolz und zufrieden den Mutterpass einstecken. Er passte aber nicht.DSC_0152Also klar, ich konnte ihn in die Einstecklaschen würgen, aber da wellte er sich. Und das kann’s ja auch nicht sein, oder?DSC_0153Ich habe erst mal ganz, ganz tief durchgeatmet und mich richtig ordentlich geärgert. Die Anleitung gibt Maße vor, die ich sehr exakt zugeschnitten habe. Und dann steht da: „Nähe möglichst knappkantig.“ Das habe ich getan, mit etwa 4-5 mm Nahtzugabe. Noch knapper war mir zu knapp. Abgesteppt habe ich mit etwa 2 mm Abstand zum Rand, das war auch das geringstmögliche. Es fehlt aber so viel, dass mir überhaupt nicht klar ist, wo ich diese Differenzen hätte einsparen sollen. Das finde ich absolut unbefriedigend. Mir wäre eindeutig lieber, die Teile mit einer veritablen Nahtzugabe zu schneiden und dann auch klare Informationen zu bekommen, mit welchen Abständen ich nähen soll.

Ich habe die Hülle bis zum nächsten Morgen liegen gelassen. Ich fand und finde sie aber so schön, dass ich nicht eingesehen habe, sie wegzuwerfen. Also bin ich am nächsten Morgen mit der Papierschere angetreten, um den gesamten Mutterpass zu kürzen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Der ist aber ziemlich dick, und als ich gerade mit der Schere ansetzen wollte, ist mir klargeworden, dass es ja nur an den Deckblättern scheitert. Der Rest wird nicht eingesteckt und darf länger sein.DSC_0158Also habe ich die erste und letzte Seite oben und unten um ein paar Millimeter beschnitten. Ha!DSC_0159Jetzt passt der Mutterpass eins-a in die Hülle, und mein Seelenfrieden ist wiederhergestellt. Ich ärgere mich bloß immer noch ein bisschen, dass der Einschlag rechts, der laut Anleitung extra für Ultraschallbilder gedacht ist, diese Bilder überhaupt nicht fasst. Und ich gehe davon aus, dass sie immer etwa gleich groß sind.dsc_0160.jpgOkay, damit kann ich aber leben. Die habe ich jetzt anders untergebracht. Die Hülle gefällt mir zu gut, um mich dauerhaft drüber zu ärgern, und als Kleinkindmutter ist man Provisorien und Kompromisse ohnehin gewohnt.DSC_0157Trotzdem finde ich die Anleitung trotz aller guten Bilder und Erläuterungen insgesamt mangelhaft. Ich weiß jetzt, dass die Maße zu knapp sind, und würde beim nächsten Mal 5 mm an allen Seiten zugeben. Aber es kann ja nicht sein, dass jeder erst mal eine Runde Frust mitnehmen muss, bis er oder sie die perfekte Hülle herstellt. Na gut. Ich brauch ja nicht mehrere. Trotzdem…

Verlinkt zur Kugelbauch-Linkparty, zu creadienstag, DienstagsDinge, Handmade on Tuesday

8 Kommentare zu „Mutterpass-Hülle mit kleinen Hürden

  1. Erstmal herzlichen Glückwunsch zur erneuten Schwangerschaft und alles Gute!
    Das mit der Anleitung finde ich schade und kann deinen Frust sehr gut nachvollziehen. Aber deine Lösung ist ja spitze!
    LG Petra

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    1. Danke, Petra, für beides! Ich habe wirklich noch mehrmals überlegt, wo wohl mein Gedankenfehler beim Nähen war, aber ich finde ihn nicht. Na ja, ich muss ja zum Glück nicht in Serie gehen… Liebe Grüße!

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  2. Juhu, Wahnsinn! Ich freu mich für euch!
    Herzlichen Glückwunsch und eine tolle Schwangerschaft.
    Schade, dass du dich über die Anleitung ärgern musstest, aber sehr gut gelöst.
    Liebe Grüße! Tina

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  3. Herzlichen Glückwunsch zum neuen „Dauerbegleiter“ im Bauch für die nächsten Monate. 🙂
    Mir gefällt die Hülle sehr gut. Dein Frust ist verständlich, das würde mich auch ärgern. Aber ich musste über Deine Lösung sehr schmunzeln. 😉 Super! Mütterliches Improvisationstalent, Du sagst es! 🙂 Schön, dass Du jetzt doch damit zufrieden bist.
    Liebe Grüße, Lydia.

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