Für Erwachsene

Später Advent für Pulli Mervi

Ich bin im Januar auf einem Nähblog über einen Pullover-Schnitt gestolpert, der mich echt vom Hocker gehauen hat. Meine Kurzrecherche hat dann ergeben, dass es der Pulli „Mervi“ aus dem Näähglück-Adventskalender von 2015 war. Der Schnitt hat eine Teilungslinie unter der Brust, das obere Teil ist vorn asymmetrisch getrennt und wird mit Knöpfen geschlossen. Ich steh ja auf asymmetrische Kleidungsstücke, und ich war ganz glücklich, dass ich zumindest das Schnittmuster noch erobern konnte.

Für den Pullover habe ich mir herrlichen senfgelben Soft-Touch-Strick von Lillestoff gegönnt, und beim Wühlen durch die Restekiste für den Futterstoff bin ich bei einem Jersey in Herbstfarben gelandet. Es ist zwar bald Frühling, aber mir sind Jahreszeiten egal, wenn mir etwas gefällt.DSC_0180Den Pullover wollte ich für das Näähglück-Wochenende zuschneiden und dort nähen. Ich hatte nämlich keine vollständige Anleitung und fand eine beruhigende Perspektive, Sophie Kääriäinen direkt fragen zu können, falls ich hängen bleibe. Ich hatte eineinhalb Meter Stoff gekauft, das reicht immer für Pullover. Dachte ich. Als ich zuletzt das kleinste Teil schneiden wollte, nämlich das kleinere vordere Oberteil, reichte der Stoff nicht mehr. Ich hatte vier Reststücke, aber keine Chance für das Vorderteil. Das hat mich tierisch gewurmt, und ich habe daraufhin nachgelesen: Der Soft Touch liegt nur 1,10 m breit… Darauf bin ich überhaupt nicht gekommen; Lillestoff liegt sonst immer 1,40 m breit! Na half jetzt nichts, zum Nachkaufen war es zu spät. Also habe ich das Vorderteil aus Innenstoff geschnitten und lebe damit, dass der Pulli sehr individuell aussieht.DSC_0177Die oberen Schnittteile habe ich jeweils um drei Zentimeter verlängert. Ich weiß, dass die Näähglück-Schnitte für eine Körpergröße von 168 cm gradiert sind, und ich bin deutlich länger. Und es sieht nichts doofer aus, als wenn eine Teilungsnaht mitten auf der Brust sitzt statt darunter.DSC_0173Das Nähen war reibungsloser als erwartet. Ich habe erst die inneren Oberteile, dann die äußeren Oberteile verbunden und anschließend beide Stücke an der Vorder- und Halsausschnittkante verbunden. Letzteres habe ich mit der Nähmaschine statt der Overlock gemacht, damit es sich besser wendet und nicht so dicke Stellen an der Ausschnittecke hat.DSC_0174Am Rücken habe ich Oberteile und Unterteil auf Vertrauen verbunden, vorn habe ich lieber geklammert. Die beiden Vorderteile mussten sich ja überlappen, damit ich Knöpfe einsetzen kann, und das war mir ohne Stecken oder Klammern zu heikel. War auch gut so, da treffen durch das Futter ja doch ziemlich viele Lagen aufeinander.

Ich hatte die Ärmel nicht verlängert, sondern mit Bündchen kalkuliert und auch vorsichtshalber Stoff dafür mitgenommen. Überraschend fehlte aber gar nicht viel an den Armen, so dass ich die Bündchen mehr für einen netten Abschluss als für die Länge angesetzt habe.DSC_0181Den Ausschnitt habe ich am Ende mit Druckknöpfen versehen. An Knopflöchern in Jersey oder Sweat scheitert regelmäßig meine Nähmaschine, und farblich passende Druckknöpfe finde ich auch gut.DSC_0175Der Pulli ist hinten länger als vorn, und ich fand, dass das an den Schnittteilen ziemlich viel aussah, also viel Unterschied zwischen vorn und hinten. Ich mag Vokuhila weder als Frisur noch an Kleidung, hab es aber brav trotzdem so zugeschnitten. Begradigen kann man immer noch, und ich wollte dem Schnitt eine Chance geben. Das hat sich gelohnt, am Körper finde ich es tatsächlich – und überraschend – ganz vorteilhaft.DSC_0176Mit dem fertigen Pulli bin ich sehr, sehr zufrieden. Er ist – dem Stoffnamen gerecht – wirklich kuschelweich, ich kann den Ausschnitt je nach Außentemperatur größer oder kleiner tragen, und mich freut immer tierisch, wenn ich neue Schnitte für mich entdecke, bei denen ich mir danach vorstellen kann, mehrere davon zu nähen. Für Mervi würden sich auch Stoffkombinationen anbieten, das kann ich ja beim nächsten Mal probieren…

Verlinkt zu MeMadeMittwoch, AfterWorkSewing, der Bio-Linkparty, Selbermachen macht glücklich und Mittwochs Mag Ich

12 Kommentare zu „Später Advent für Pulli Mervi

  1. Aus Notlösungen entstehen ja oft die tollsten Teile – auch hier gefällt mir der ungeplante Mustereinsatz sehr gut! Sollte ich mal den Schnitt nähen, würd ichs genau so machen 😀
    Die Stoffkombi gefällt mir auch sehr – so tolle leuchtende Farben! Genau richtig für die kalte Jahreszeit.

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    1. Danke, Hana! Wir hatten aber auch einfach Glück, dass wir noch ein paar Minuten goldgelbe Wintersonne für die Fotos erwischt haben, das lässt den Stoff so leuchten. Ich kann mit meiner Notlösung auch prima leben! Viele Grüße, Meike

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  2. Wenn du es nicht geschrieben hättest, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass der gemusterte Stoff vorne eine Verlegensheitslösung ist. Passt doch super! Und mit dieser schönen leuchtenden Farbe kannst du bestimmt das ganze Jahr über gute Laune verbreiten. LG Christiane

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    1. Hallo Christiane, ich trage sonst nie Senf oder Gelb, aber ich finde auch, dass der Pulli den Titel „Goldener Herbst das ganze Jahr“ tragen dürfte. Und mit meinem Notlösungs-Einsatz kann ich prima leben. Danke! Liebe Grüße, Meike

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  3. Toller Pulli!! Super Farben!
    Dass es eine „Notlösung“ ist, weiß doch keiner, wenn Du es nicht erwähnst. Das muss so! 🙂
    Wo gibt es denn das Schnittmuster? Ich habe gerade mal gegoogelt, finde es aber auf Anhieb nicht.
    LG
    Natalie

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    1. Hallo Natalie, außerhalb des Blogbeitrags verrate ich auch keinem, dass der Pulli anders gedacht war.
      Der Schnitt ist aus dem Näähglück-Adventskalender 2015, und ich hatte einfach mal ganz nett per Mail bei Näähglück angefragt, ob ich ihn vielleicht ausnahmsweise noch bekommen könnte. Liebe Grüße, Meike

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  4. Hallo Meike, der Pulli ist einfach toll geworden! Ich habe den Schnitt auch auf der Festplatte, den sollte ich auch mal probieren.
    Liebe Grüße! Tina

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