Kindersachen

Badesachen, die Ersten

Ich hab mich getraut und zum ersten Mal Badelycra verarbeitet. Der kleine Stöpsel brauchte für unseren Herbsturlaub eine neue Badehose und ist noch sehr offen für deren Form und Schnitt. (In zehn Jahren sieht das ganz sicher anders aus.) Von Annas Country hatte ich diesen Spätsommer das Ebook „Schwimm-Set“ gekauft, und weil ich mir eigentlich einen Badeanzug nähen wollte, lagen bei mir einer und ein halber Meter Badelycra rum. Vermutlich werde ich für immer und ewig zu faul sein, einen Badeanzug-Schnitt so genau anzupassen, dass er mir dann auch passt. Also konnte ich das Lycra ohne Bedauern für den kleinen Stöpsel verwenden. Ich musste übrigens erst mal im Duden nachsehen, welches Geschlecht der Begriff Lycra hat. Man lernt ja nie aus…

Laut Ebook braucht man in Größe 128/134 etwa 70 Zentimeter Stoff. Mein ganzer Meter war aber mit pink-weißen Retro-Blumen bedruckt, das wollte ich dem kleinen Stöpsel dann doch nicht zumuten. Der halbe Meter war einfarbig meergrün. Ich hab es einfach mal versucht, zumal die Größe 128/134, in der ich das Oberteil zugeschnitten habe, für die Hose wirklich noch zu groß wäre und ich sie nur in 116/122 brauchte.DSC_0270An einer Stelle ist die Nahtzugabe etwas knapper als gedacht, aber ich habe tatsächlich alle Schnittteile auf den halben Meter bekommen und konnte ein ganzes Set ausschneiden. Huu, das fand ich schon beim Zuschneiden so flutschig, dass ich ziemlichen Respekt vor dem Nähen bekommen habe.

Wie sinnvoll Applizieren auf Badekleidung ist, da war ich mir jetzt unsicher, aber ein bisschen öde fand ich so ein einfarbiges Set dann doch. Also habe ich beschlossen, meine Coverstitch-Maschine mal ein bisschen kreativ einzusetzen und das vordere Oberteil sowie die Hosenteile kreuz und quer mit Covernähten zu überziehen. Dafür habe ich dem kleinen Stöpsel meine gesamte Palette an Garnkonen angeboten, und da fehlt nur Schwarz, sonst sind alle Farben vertreten. Er hat sich die beiden Rosa-Töne ausgesucht.DSC_0276Ich fand, dass der Unterschied zwischen den beiden Rosas ein bisschen mau ist, und außerdem waren das einmal normales Garn und einmal Bauschgarn. Also habe ich beides zusammen eingefädelt; Bauschgarn auf der Unterseite, normales auf der Oberseite. Die Schnittteile habe ich dann von beiden Seiten durch die Covermaschine laufen lassen und dabei entdeckt, dass selbst meine Luxus-Maschine mit der automatischen Fadenspannung für einlagiges Lycra überfordert ist.DSC_0271Die erste Naht sah aus, als hätte ich Biesen nähen wollen, so sehr war das Material zusammengezogen. Ich habe also die Fadenspannung an allen Fäden von 4 auf 2 verstellt, das war immer noch sehr fest, und dann nach und nach auf 1 runtergedreht. Damit habe ich schöne weiche Nähte bekommen. Die beiden ersten Varianten habe ich wieder aufgetrennt, die letzte vor dem Ideal habe ich gelassen. Das ist ein Fehlergrad, den ich tolerieren kann.

Das Nähen der Schnittteile hat besser geklappt als erwartet. Richtig gemein flutschig war eigentlich immer nur der Anfang. Für die Overlock-Maschine kann man wegen des Messers nicht stecken, da musste ich also sehr genau festhalten und einlegen. Wenn aber die ersten Stiche in der Kante genäht waren, lief es wie bei Baumwollstoff.DSC_0275Das T-Shirt ist denkbar einfach, es hat keine Besonderheiten oder Erschwernisse. Das Halsbündchen ist auch aus Lycra, und da war ich beim Nähen und späteren Begutachten ein bisschen skeptisch, ob der große Kopf des kleinen Stöpsels durchpassen wird. Es blieb mir aber ohnehin nur die Hoffnung; einen Stoffrest für ein weiteres Halsbündchen hatte ich sowieso nicht.DSC_0274Bei der Hose soll man laut Anleitung einen Tunnel nähen, darin ein Stück offenlassen und nachher ein Gummiband einziehen. An der Variante nervt mich immer, dass sich das Gummiband unweigerlich im Tunnel verdreht. Deshalb habe ich einen Gummiring in passender Länge genäht und den innen an den oberen Rand des Hosenbundes gesteckt. Diese Kante habe ich dann mit der Overlockmaschine – ohne Messer, aber mit entsprechender Dehnung des Gummibands – zusammengenäht. Anschließend habe ich den Rand einmal nach innen umgeklappt, so dass der Gummiring nicht mehr zu sehen war. Das habe ich auch sicherheitshalber festgesteckt, damit ich nachher nicht lauter diagonale Falten von ungleichmäßigem Ziehen im Bund habe.

Das Absteppen dieses Bundes – Gummi-Lycra-Naht auf Lycra – hat so gut geklappt, dass ich mehrmals zwischendurch angehalten und kontrolliert habe, ob da auch alles stimmt. Das konnte ich mir bei dem Flutschzeug überhaupt nicht vorstellen. Ging aber doch einfach pannenfrei, und ich vermute, dass ich das an beiden Maschinen zu einem großen Teil den sehr fest auf dem Material sitzenden Nähfüßen zu verdanken hatte.

Nicht ganz pannenfrei war, dass meine Fadenspannungen ja immer noch auf 1 standen. Hatte ich vergessen. Für die drei Schichten, von denen eine das dicke Gummiband war, war das zu wenig. Ich habe ziemlich schlaufige Nähte geerntet und während des Absteppens die Spannung auf 2,5 hochgedreht. Das war auch noch nicht optimal, aber ich bin mit den Nähten zufrieden. Die sind nachher sowieso ständig nass und sehen dann anders aus, Bauschgarn verzeiht einige Ungenauigkeiten, und so lange die Naht nicht aufgeht, habe ich an Badesachen nichts zu meckern.

Das Ende war dann noch das Säumen, und zwar fünf Mal: zwei Ärmel, ein Oberteilsaum, zwei Hosenbeine. Da war mir dann so gar nicht mehr klar, welche Fadenspannung die richtige sein könnte. Ich habe es mit 3 versucht, und dank Bauschgarn sieht das vernünftig aus. Vielleicht nehme ich ab jetzt häufiger Bauschgarn, da muss man sich nicht so genau mit den Fadenspannungen auskennen…

Die fertigen Badesachen finde ich todschick und habe mich stolz und zufrieden darüber gefreut, dass der kleine Stöpsel den ganzen Urlaub lang darin gebadet hat. Und sie passen ganz bestimmt nächsten Sommer auch noch.DSC_0273Verlinkt zu Menschen(s)kinder, So mach ich das und MittwochsMagIch und AfterWorkSewing

8 Kommentare zu „Badesachen, die Ersten

  1. Stoff, der schon beim Zuschneiden wegflutscht, das wäre ja etwas für mich gewesen. 🙈
    Ich finde die Kombi toll, sieht ziemlich professionell aus.
    Liebe Grüße! Tina

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    1. Danke, Tina, aber du musst das gerade sagen! Dein Teddy-Schlachte-Projekt hätte wiederum ich nicht für Geld und gute Worte angefasst, und es sieht so toll aus! Da hat jeder andere Respekt-Themen, glaube ich! Liebe Grüße!

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