Kindersachen

Stulpenhose aus Reststoffen

Mein kleiner Stöpsel ist mit fünf Jahren gerade noch in dem Alter, in dem nur gelegentlich auf „cool“ oder „uncool“ geprüft wird, die meisten Sachen aber eher nach Farbe und Material beurteilt werden. Neulich hatte er sich beklagt, eine gekaufte Hose sei zu weit an den Beinen, er wolle sie deshalb nicht anziehen. Da ist mir das Freebook Wooops Bux von „From heart to needle“ eingefallen, das ich mal auf Makerist entdeckt hatte. Das fand ich total witzig; es sieht aus wie eine kurze, weite Hose, die man auf Kniehöhe in Stulpen steckt. Wenn das mal nicht gut an den Beinen anliegt…

Ich hatte kurz zuvor einen halben Meter Breitcord gekauft, um dem Stöpselchen eine Ballonmütze zu nähen. Der Rest hat exakt gereicht, um die beiden gleichen Hosenteile auszuschneiden. Vorderteil und rückwärtiges Teil sind identisch.DSC_0597Die Wooops Bux ist ein Echtgrößenschnitt. Ich hatte den kleinen Stöpsel-Bauch zum Glück vor Kurzem ausgemessen und konnte damit ohne Schätzungen die passende Hosengröße wählen. Schwieriger war, dass man die Stulpenschnittteile nach Wadenumfang und nach Knie-Knöchel-Abstand wählt. Der kleine Stöpsel war aber ein paar Tage verreist, und ich wollte in der Zeit ganz viel schaffen. Also habe ich ein Maßband genommen und versucht, mich an die Unterschenkelmaße meines Sohnes zu erinnern. Danach bin ich mit den Maßen an die Stulpenteile gegangen und war echt irritiert, als ich seine Weite um drei Längen verlängern musste. Aber das soll ja anliegen, denk ich.DSC_0594Für die Stulpen habe ich einen Rest Hamburger-Liebe-Jacquard verwendet, der genau noch gereicht hat. Ich finde schlichte Kindersachen auch mal schick, aber Hosen ohne Taschen kommen hier zurzeit überhaupt nicht gut an, weil fast immer Autos und Steine von und zur Kita transportiert werden müssen. Deshalb habe ich ein Stück Seidenpapier auf die Hosenteile gelegt, mir eine Tasche in vernünftiger Größe aufgemalt und sie je einmal aus dem Jacquard und aus farblich passendem Jersey ausgeschnitten. Der Jacquard ist innen zu grob gewebt, den würden die kleinen Autos ausreißen. Darum das Jersey-Taschenfutter. Zufällig hatte ich noch ein farblich genau passendes Stück Jersey-Schrägband und konnte mir damit das fummelige Wenden der Taschen sparen. Ich hab sie einfach am Eingriff eingefasst.DSC_0596Laut Anleitung werden die Stulpen zusammengenäht, oben und unten mit Bündchen versehen, und dann ist erklärt, wie man das mit den Hosenbeinen verstülpt und die Hose an die bestehende Bündchennaht näht. Von der Anleitung her ist das absolut anfängertauglich, aber mit der Overlockmaschine hätte ich ja dann eine doppelt so dicke Naht, wenn ich über die Stulpennaht noch mal rübergehe, um das Hosenbein mit ranzunähen. Die erste Naht habe ich mir folglich gespart, Bündchen+Stulpe+Hosenbein auf einmal zusammengesteckt und das Ganze dann genäht. Hat auch funktioniert.DSC_0595Die fertige Hose fand und finde ich todschick. Außerdem reichen überraschend kleine Stoffstücke, wenn man nicht gerade Größe 122 näht wie ich dieses Mal. Ich hab erst überlegt, ob mir der kleine Stöpsel mit sechzehn vorwirft, dass die Hose total peinlich gewesen sei, aber der Stöpsel-Papa meinte spontan, dass er sie bestimmt toll finden werde. Und so ein paar Jugendsünden hat doch jeder, oder?

Tja, dann kam aber das Anziehen. Ich hab dem kleinen Stöpsel stolz verkündet, dass ich ihm eine Hose genäht habe, die schön eng an den Beinen anliegt und weich ist und lange passt, weil die Stulpen sich jetzt noch aufräufeln und Platz für später lassen. Er hat sie brav angezogen und sagte dann vorsichtig: „Na ja, die ist aber… Gibt’s da keinen Gummi?“ Ich hätte Tränen lachen können, wollte nur nicht, dass er sich ausgelacht fühlt. In das Hosenteil passt er zweimal rein! Ich messe noch mal nach, aber ich glaube, die Hose ist einfach extrem weit geschnitten und man müsste das Bündchen viel kleiner schneiden als Umfang mal 0,7 wie sonst. Na ja, wir probieren sie mit acht noch mal an…

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5 Kommentare zu „Stulpenhose aus Reststoffen

  1. Hallo, mir persönlich gefällt die Farbkombination wirklich sehr gut! Ich bin mir tatsächlich nur unsicher, wie die Hose getragen aussieht und ob mir das dann tatsächlich gefällt. Da es sich Deiner Meinung nach aber gut für Stoffreste eignet, bleibt wohl nur ein einfach selbst ausprobieren und dann schauen! Insofern, vielen Dank für den Hinweis/Link 🙂 Und toi toi toi, dass er sie mit acht nochmal anziehen will! Herzliche Grüße, Jenny

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    1. Hallo Jenny! Die Skepsis hatte ich eigentlich nicht, weil im Freebook ganz viele Tragebeispiele sind und mir sehr viele Hosen unheimlich gut gefallen haben. Deshalb war ich auch so perplex über das Riesenteil, das ich produziert habe. Dank Freebook kannst du es dir ja aber auch erst mal ansehen und dann entscheiden, ob dich der Schnitt wirklich anspricht. Viele Grüße, Meike

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