Allgemein · Für Erwachsene

Kein Pulli für Nachtarbeiter

Sofort am Erscheinungstag habe ich mir das Ebook St. Georg von Pech und Schwefel gekauft – ich steh auf asymmetrische Schnitte. Zur Umsetzung bin ich nicht sofort gekommen, das war etwas entschleunigt, aber das hatte auch damit zu tun, dass ich mir erst den Schnitt auf A0 habe plotten lassen und dann den Anspruch hatte, passenden Stoff offline zu shoppen. Und ich komm einfach so selten zum Stoffladen des Vertrauens.

Als es dann so weit war, habe ich nach langem Schlendern vorbei an den Sweat-Regalen als Hauptstoff türkisfarbenen Jacquard Sweat von Lillestoff gewählt, den ich für einen Sommerpulli sehr angenehm fand; er ist zwar dünn, aber relativ schwer in der Stoffqualität, fasst sich eher unruhig an und liegt dadurch leichter auf der Haut. Kombiniert habe ich ihn mit Lillestoff-Bündchen in Petrol und dem Lillestoff-Jersey Keycolors. Mut zur Farbe!

Zugeschnitten habe ich alle Teile irgendwann am Nachmittag, als die Kinder um mich herumgetobt sind, und war dabei ganz dankbar, dass auf den Schnittteilen vermerkt ist, wie oft und aus welchem Stoff sie zuzuschneiden sind. Da musste ich nicht extra zwischen Computer (Anleitung) und dem Fußboden (Zuschnitt) wechseln. Das Nähen habe ich seeehr spät an einem anderen Tag erledigt, nach einer zutiefst frustrierenden Nacht, in der das Stöpselchen zwischen zwei und fünf zwei Stunden war. Mit einem stabilen „was soll’s“-Gedanken habe ich beschlossen, selbst zu bestimmen, wann meine Nächte zu kurz sind.

Das Nähen ist für geübte Anfänger problemlos zu bewältigen, würde ich sagen. Mir liegen Fotoanleitungen mehr als die gezeichneten von Pech & Schwefel, aber das ist ja Geschmackssache, und hinreichend verständlich finde ich die Zeichnungen trotzdem. So richtig fest geflucht habe ich im letzten Viertel der Anleitung, als es um das Annähen der Kapuze ging. Da kam ein großes „Hätte ich doch mal…!“ auf. In der Anleitung ist nämlich explizit benannt, wie die asymmetrischen Kapuzenschnittteile auf Ober- und Futterstoff zu legen sind. Auf den Schnittteilen steht nur „1 x Oberstoff normal“ oder „1 x Oberstoff gespiegelt“. Tja, nun hatte ich eine gefütterte, abgesteppte Kapuze, die nur falschrum an den Pullover passte. Mit dem Futter nach außen.DSC_0143Ich hab nicht mal nachgesehen, ob der Stoff noch für eine neue Kapuze gereicht hätte. Ich war frustriert und habe die Situation als Wink des Schicksals verstanden, der Welt mehr von dem sehr schönen Futterstoff zu zeigen. Für chronisch müde „mein-Kind-schläft-nicht-durch“-Spätabendsnäher bräuchten die Schnittteile noch einen Hinweisbutton mit „Achtung! Kapuzenschnitt muss auf Reißverschlussseite abgestimmt sein!“ oder so.DSC_0129Ich setze eh nie Kapuzen auf, die sind für mich reine Deko, insofern geht es mir hauptsächlich darum, wie sie liegen. Und von hinten liegt sie nicht schlecht, hab ich nachher beim Anprobieren festgestellt. Der Pullover ist nun noch einzigartiger, als das selbstgemachte Kleidung sowieso schon ist.DSC_0135Unerwartet einfach fand ich es, den Reißverschlussbeleg in die Reißverschlussöffnung zu nähen. Da hatte ich mit mehr Verrutschen gerechnet, das ging aber sehr gut. Allerdings musste ich den tatsächlich ein zweites Mal zuschneiden, weil ich das Wort „Bruch“ auf dem Schnittteil übersehen hatte…DSC_0149Ich hatte im Internet mehrfach gelesen, dass der Pulli eher weit ausfällt, und habe deshalb die nach Maßtabelle eigentlich knappe Größe 42 gewählt. Die Ärmel habe ich ausgiebig verlängert, damit noch ein bisschen Puffer an den Schultern ist – bei Raglan geht das ja ganz gut. Tja, im Ergebnis war ich da etwas zu großzügig. Die Ärmel sind so viel zu lang, dass ich sie auf jeden Fall noch kürzen muss. Aber Kürzen ist immer leichter als Verlängern.

Der Schnitt gefällt mir nach wie vor gut, meine Stoffwahl war für mich auch die richtige, aber der fertige Pulli haut mich nicht um. Ich weiß nicht mal genau, warum. Vielleicht finde ich ihn ein bisschen zu bollerig, vielleicht kann ich mich unbewusst doch nicht mit meinem Kapuzenfehler arrangieren, aber ich würde ziemlich sicher nicht noch einen nähen. Na gut, muss ich ja auch nicht.

Verlinkt zu RUMS, der Bio.Linkparty und den LilleLiebLinks

6 Kommentare zu „Kein Pulli für Nachtarbeiter

  1. Ich kann dich gut verstehen, ich hätte den Pulli wahrscheinlich erst mal in die Ecke geschmissen, nach so einem groben Fehler.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass ich das Ergebnis trotzdem echt Klasse finde. Die „falsche“ Kapuze ist einer toller Farbtupfer für den Pullover.
    Liebe Grüße, Susanne

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    1. Hallo Susanne, ich hab ihn zwar nicht in die Ecke geschmissen, aber bei der Entdeckung der „falschen“ Schnittteile spontan alle Lichter und Maschinen ausgemacht und bin schlafen gegangen. Ich verlass mich beim Tragen jetzt immer darauf, dass in meinem Umfeld keiner weiß, wie der Pulli eigentlich hätte enden sollen…
      Viele Grüße, Meike

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    1. Hallo Tina, dich hatte ich in diesen Tagen noch gar nicht wieder online erwartet. Ja, dass der Pullover sehr weit ist, hatte ich schon vorher gelesen und deshalb Größe 42 statt 44 gewählt. Trotzdem hat er echte Kuschelmaße, da liegt nichts an. Das stimmt wohl. Liebe Grüße, Meike

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