Allgemein · Kindersachen

Wollanzug zwei Jahreszeiten im Voraus

Ich hatte irgendwann mal einen Glückstreffer in der Restekiste von Stoff und Stil, wo gefühlt sonst immer nur Polyester und Polsterstoffe lagern: einen Meter dichten Wollstrick, kuschelig und marineblau, zum Verlieben. Daraus wollte ich dem Stöpselchen eine Herbstjacke nähen. Immerzu kam was dazwischen, und dann war Winter. Daraufhin hab ich aus dem Stoff eine Übergangsjacke für ein Freundekind geplant, und schon war der Winter vorbei.

Also habe ich jetzt nicht mehr auf die richtige Jahreszeit gewartet, sondern einfach mal zwei Saisons im Voraus gearbeitet. Meine Freundin bekommt im Juli ein Sommerkind, das ja dann im Winter Größe 68 tragen müsste, gegen Ende des Winters aber vermutlich schon eher Größe 74. Das sollte nun einen Winterwollanzug in Größe 74 bekommen – sicher ist sicher. Ich habe dafür den erprobten Klimperklein-Schnitt „Kuschelanzug“ gewählt. Wir hatten seinerzeit für unsere kleinen Stöpsel mehrfach Anzüge mit Arm- und Beinumschlägen, bei denen man eine außenliegende Lage über Ärmel oder Bein stülpen konnte, um sie zu verschließen. Das fand ich eine super Idee und wollte es an den Beinen frei Hand nacharbeiten. Ich weiß, dass es haufenweise Tutorials dazu gibt, aber so schwer kann das ja wohl nicht sein.

Ich habe die Ärmel gegenüber dem Schnitt um großzügige sieben Zentimeter verlängert, weil ich keine Bündchen annähen wollte, sondern einfassen. Wenn das Baby schon viel drunterhat, sind Bündchen eine Quälerei. An denen Beinen habe ich vorn drei Zentimeter zugegeben, hinten gleich zwölf, damit ich nachher neun umklappen kann. Dann habe ich alle unteren Kanten einzeln eingefasst. Meine Lieblingsaufgabe übrigens!

Der Kuschelanzug hat nur ein Kapuzenfutter vorgesehen. Das fand ich für einen Baby-Wollanzug nicht genug; ich glaube, dass der Stoff auf Babyhaut kratzt. Darum habe ich Belege für Vorder- und Rückenteil zugeschnitten und an die Kapuze genäht. Das sah dann ähnlich aus wie eine Schlupfmütze, nur dass eben vorn alles offen war.

Für die Vorderseite hatte ich mir schon seit Wochen eine maritime SnapPap-Applikation vorgestellt, bei der ein „Tau“ von der Schulternaht zu einem Anker verläuft. Dashat tatsächlich geklappt wie geplant, ich war ganz beglückt!DSC_1021 (2)Anschließend habe ich den Anzug zunächst genäht wie vorgesehen, also Rückenteile aneinander, Schulternähte zusammen und Seitennähte außen. An den Seitennähten musste ich ja nun schon die Beinumschläge legen, weil sie durch die Seitennaht fixiert werden. Ich hab sie sehr ordentlich geklammert, damit das nachher auch sauber aussieht.

Vor dem Einfassen der Vorderkante und dem Reißverschluss habe ich die Belege von innen festgesteppt. Das habe ich bewusst mit einer sichtbaren Garnfarbe gemacht, weil ich die optische Trennung ganz schön findet. Der Anzug ist schlicht genug, dass er das verträgt.DSC_1020 (2)Am Reißverschluss wäre ich fast verzweifelt. Irgendwie konnte ich durch die Reißverschlussgarage nicht mehr richtig sehen, wo er oben ansetzt, und habe ihn zweimal wieder abgetrennt, weil es nicht richtig passte. Mit dem dritten Versuch hatte ich immer noch einen leichten Versatz an der Belegnaht, aber den fand ich tolerierbar und habe einen vierten Versuch als nicht unbedingt heilbringend eingeschätzt.DSC_1019Der letzte Arbeitsschritt war das Schließen der Beininnennaht. Ich habe den Anzug gewendet, in der Erwartung, dass mir das Herz vor Stolz schwillt. Stattdessen hätte ich laut schreien können. Ich hab die Umschläge nach innen gelegt. Mir ist nicht eingefallen, meine Logik mal vor dem Nähen zu überprüfen. Und Auftrennen von Overlocknähten läuft unter Folter.DSC_1022Die zweibeste Lösung nach dem Auftrennen und neu Nähen fand ich, Druckknöpfe einzusetzen. So lange die Füße noch nicht unten rausgucken, kann man die Beinabschlüsse damit innenliegend schließen, danach führt man den Fuß an der „Tasche“ vorbei nach außen. Im Ergebnis kann ich damit dann doch ganz gut leben, aber ich ärgere mich wahnsinnig über den Denkfehler. Ich werde ganz sicher draus lernen!DSC_1018 (2)

Verlinkt zu Freutag und Sew Mini

7 Kommentare zu „Wollanzug zwei Jahreszeiten im Voraus

    1. Zu früh gesendet ;-)! Ja, Größe 86. ich versuche mich auch und habe ihr eine kurze Hose und ein T-Shirt genäht. Die Hose ist super, aber Kanten einfassen (Ärmel am Shirt) bringt mich noch zur Weißglut!
      Zum Thema Jacke: die Softshell passt noch und verursacht allseits Begeisterung!

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      1. Haaaa, das mit dem Kanteneinfassen kenn ich! Säum doch lieber die Ärmel, das reduziert das Frustpotenzial!
        Das mit der Jacke freut mich total, das war ein echter Zufallstreffer.
        Ich habe mir für die nächste Woche ganz viel Zuschneiden vorgenommen, da ist euer Mädchen mit auf der Liste. Liebe Grüße!

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