Allgemein · Für Erwachsene

Aito – Ein Kleid in Taupe

Selmin vom Blog „Tweed and Greet“ ist das ganze Jahr über Gastgeberin der „12 Colours of Handmade Fashion“. Im Januar war es Grün gewesen, das hatte mich nicht als Herausforderung gereizt, aber die Februar-Farbe ist Beige. Unter dem Ankündigungs-Post wimmelt es von minderbegeisterten Kommentaren zu dieser Farbe, und das hat mich tatsächlich animiert, mir selbst mal was in Beige zu nähen. Ich mag Beige, trotzdem hatte ich mir selbst noch nie etwas genäht, was in diese Farbkategorie fiel, zumal ich bisher sowieso mehr bunt als einfarbig gearbeitet hatte.

Meine Wahl fiel auf den Lillestoff-Steppstoff in Taupe, das ich nach längerem Zögern auch noch ins Farbspektrum „Beige“ eingeordnet habe. Mehr beige als grau zumindest. Daraus wollte ich mir ein zweites Kleid Aito von Näähglück schneidern, nachdem das erste mein konkurrenzloses Lieblingskleid geworden ist und oft direkt von der Leine an den Leib wandert.

Ein Kleid in nur Taupe wollte ich dann aber doch nicht. Vor meinem inneren Auge changierte das immer zwischen Kutte und Kartoffelsack, auch wenn der Schnitt noch so schön ist. Als Farbtupfer habe ich deshalb dunkelrotes Bündchen gewählt und daraus auch eine Teilungspaspel geschnitten; zum Ausgleich habe ich den Taschenstoff in ehrlichem Beige bereitgelegt.dsc_1009Grundsätzlich verarbeitet sich der Steppstoff super, allerdings kämpfte die Overlockmaschine seitlich wirklich mit den Stellen, an denen Oberteil, Unterteil und Paspel aufeinandergenäht sind und in doppelter Lage (vorn und hinten) aneinandergefügt werden sollen. Dafür ist der Stoff dann doch grenzwertig dick. Aus vollem Herzen geflucht habe ich, als mir aufgefallen ist, dass ich in meiner Euphorie einfach nach Schnittmuster zugeschnitten und nichts angepasst habe. Keine Verlängerung in der Taille, keine Verlängerung am Rocksaum, keine breiteren Schultern.dsc_0999Immerhin habe ich fünf Zentimeter längere Bündchen geschnitten. Und der Steppstoff war verbraucht. Half ja nichts, ich konnte nur hoffen, dass es trotzdem einigermaßen passt.

Das Absteppen der Teilungsnaht bzw. Paspel muss man in Etappen machen, weil man sonst die Taschen zunäht. Ich habe alle Stücke abgesteppt und dann zwei SnapPap-Kreise über die Anschlussstellen genäht. Das fand ich auf diesem schlichten Kleid einen netten Blickfang und außerdem eine geneigte Kaschierung für die etwas krumpeligen Taschenecken.dsc_0995Anschließend habe ich das Kleid anprobiert und fassungslos auf die Taschen gestarrt. Ich Horst habe die Strecke auf dem Vorderteil zwischen den Taschen falschrum abgesteppt, nämlich nach unten. Das bedeutet, dass sich die Paspel nun über die Taschenöffnung hinweg von unten nach oben drehen muss, um seitlich wieder ordnungsgemäß anzukommen. Und das wiederum bedeutet, dass die Taschen so richtig fett aufklaffen, weil die Paspel sperrt. Boah.dsc_1001Für eine Korrektur hätte ich aber die SnapPap-Kreise abtrennen müssen, die Steppnähte aufmachen, neu absteppen, neue Kreise ausschneiden, sie wieder aufnähen und dabei hoffen, dass meine Konzentration diese Etappe schafft. Das habe ich verworfen.

Ich setze jetzt also auf den Kontrasteffekt von gedecktem Kleid, leuchtend beigen Taschen und der roten Trennungspaspel.dsc_0994Bei meinem ersten Kleid Aito hatte ich korrekt abgesteppt, da stehen die Taschen auch immer ein Stückchen offen. Hier ist es jetzt ein Stückchen mehr, aber wenn ich diese Tatsache außer acht lasse, finde ich das Kleid überraschend schön.dsc_0971Es ist bürotauglich, aber trotzdem gemütlich, trotz fehlender zehn Zentimeter Verlängerung im Vergleich zum ersten Kleid nicht allzu kurz, und ich bin superzufrieden mit dem Gesamteindruck. Fast alle Schuhfarben passen dazu – was für eine geniale Farbe!dsc_0957

Als Ergebnis freu ich mich, dass ich mich dem Beige-Thema gestellt habe, ich wäre sonst nie auf ein Kleid in dieser Farbe gekommen. Es wird aber einen vorderen Platz auf der Kleiderstange innehaben.dsc_0970

7 Kommentare zu „Aito – Ein Kleid in Taupe

  1. Hallo, interessanter Schnitt – kannte ich so nicht. Mag ich. Ja – das Rot muss zu taupe sein, gibt dem das gewissen Etwas und bin mir auch nicht sicher, ob es ohne Rot was für Dich gewesen wäre. So – finde ich es wunderbar. Dreher passieren, aber was soll’s…

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    1. Danke, das ist ja ein netter Kommentar! Nee, ohne Rot hätte ich wohl ausgesehen wie ausgespuckt nach einer durchwachten Nacht, vollkommen farblos. Der Schnitt ist toll, finde ich immer wieder. Viele Grüße, Meike

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