Allgemein · Für Erwachsene

Oldschool-Technik vs. Luxus-Hilfsmittel

Im unnachahmlichen Näähglück-Adventskalender (bei dem ich mich frage, wann Sophie von Näähglück den neben zwei Kindern und Studium noch geschafft hat – Respekt!) war unter anderem ein Schnitt für ein Damen-Unterhemd oder -Top. Unterhemden kann man als Frostbeule nie genug haben, mein Stoff-Adventskalender bot genug Material, und ich wollte schon lange mal wieder meinen Einzelfalt-Schrägbinder in Betrieb nehmen. Dieses für so viel Geld so unscheinbare Accessoire hat mich schon gelegentlich stolz und glücklich gemacht, aber ich bin für einen einzelnen Ausschnitt oft zu träge, es anzubauen. Für zwei Unterhemden, also sechs Einfassungen (2 x Hals, 4 x Arm), fand ich das schon eher lohnenswert.

Ich habe das erste Unterhemd mit dem Schrägbinder gearbeitet und mich tierisch über das Ergebnis gefreut. Es hat gut geklappt, das Teil so einzurichten, dass die Fäden sauber neben und nicht auf der Stoffkante verlaufen, und es sieht einfach erfreulich aus. Vor allem tut sich meine Overlock deutlich leichter damit, die Seitennähte über die Einfassungen hinweg zu schließen, weil sie doch ein Stück flacher ausfallen als händisch um die Kante gefaltete Jerseystreifen.dsc_0630Die Zuschnitte für das zweite Unterhemd hatte ich eine Weile in der Hand und habe mich am Ende doch für die Nähmaschine und die Oldschool-Variante „rechts auf rechts annähen, gefaltet um die Kante legen, wieder annähen“ entschieden. Ich wollte nämlich mit kükengelbem Bündchen einfassen und habe keine gelben Konen. Hellblauen Faden auf gelbem Stoff fand ich aber doof. Immerhin bin ich bei der guten alten Handarbeits-Variante mittlerweile dazu gekommen, doppelt so viele Nadeln zu benutzen wie früher. Wenn ich in engeren Abständen stecke, halten die Kanten eindeutig besser und bleiben übereinander liegen.dsc_0628Mit dem Ergebnis war ich auch ganz zufrieden, muss aber im Vergleich zum Einzelfaltschrägbinder sagen, dass es… kein Vergleich ist. Ich kann beim klassischen Annähen einfach nicht so gleichmäßig dehnen wie der Schrägbinder, und so exakt auf Spur bleibe ich auch nicht. Und so flach wird es auch nicht.

Ganz klar ist also, dass Einfassen mit dem Schrägbinder die optisch bessere Lösung ist.

Dicker, fetter Haken an der Sache ist aber die Nummer mit dem Garn. Ich habe etwa sechzig Garnfarben auf Einzelrollen. Da findet sich fast immer das Richtige. Konen habe ich „nur“ in sieben Farben und finde das schon nicht schlecht. Konen sind gemein teuer. Und da ich nicht einsehe, mein Nähzimmer mit Wandhalterungen zu bestücken und mir einen Konenwald zuzulegen, wird es wohl dabei bleiben, dass ich immer wieder auf das altmodische Einfassen zurückkomme oder auf mutige Kontraste zwischen Einfassstreifen und Garn setze. So viel Freigeist muss dann sein…

Die Unterhemden übrigens sitzen ordentlich, ich hatte sie allerdings nicht so eng erwartet. Entweder habe ich erschreckend viel Weihnachtsspeck zugelegt oder die Größe 40/42 soll wirklich hautnah sitzen.dsc_0629Ich habe sie in der Taille drei Zentimeter verlängert und großzügig Saum dazugegeben, weil der Schnitt auf 15 Zentimeter kleinere Menschen als mich ausgelegt ist. Bei den nächsten Exemplaren, die es definitiv geben soll, gehe ich etwas lockerer mit der Nahtzugabe um. Dann klemmt es nicht so.

Ernsthaft erschrocken war ich über die Perspektive. Normalerweise sehe ich mich auf Fotos nicht in der direkten Rückenansicht, und das ist auch gut so, muss ich jetzt sagen. Das sieht aus wie eine ehemalige Leistungsschwimmerin, die schlecht abtrainiert hat. Wobei ich nicht schwimme, nur mit den Kindern bade und sie ständig hebe. Aber mir erklärt sich jetzt noch mal bildlich, warum mir nie die Schulternähte so passen, wie sie im Schnitt vorgegeben sind. Puh!

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