Allgemein · Für Erwachsene

Die Sache mit der Konzentration…

Ich bin erklärter Fan von Näähglück-Ebooks; mein aktuelles Projekt war der Cardigan „Sweet Winter“ mit verdeckter Knopfleiste. Ich hätte ihn gern direkt verlinkt, aber der Näähglück-Shop ist aus persönlichen Gründen zurzeit geschlossen, und ich finde ihn auch sonst nicht – nicht über Dawanda, nicht über Alles für Selbermacher.

Cardigans sind eigentlich nicht so mein Ding. An meiner unfiligranen Statur finde ich sie meist zu eng, zu kurz, faltenschlagend, zu feminin, unpraktisch, zu… Ich habe deshalb einen Stoff angefasst, den ich schon ein Dreivierteljahr für DAS Projekt aufhebe, nämlich den Lillestoff-Jersey „Me“ von Susalabim. Mein kleiner Stöpsel fand das ganz schön ungerecht, dass ich was zum Anziehen mit Glitzer kriege. Nicht, dass er nicht auch genug Glitzer im Schrank hätte. Der Grundschnitt ist denkbar einfach und schlicht, der untere Rand dabei schön weich abgerundet und hinten etwas länger als vorn. Wegen der beschriebenen Cardigan-Bedenken habe ich den Schnitt von der Hüfte zu den Schultern hin um eine Größe nach außen wandern lassen und die Ärmel satt verlängert.

Im Ebook ist beschrieben, wie man den Einfassstreifen stückelt. Dazu hatte ich keine Lust und habe ihn aus einem Bündchenschlauch fortlaufend geschnitten, so wie hier beschrieben. Sophie von Näähglück hat sogar in diesem Video vorgeführt, wie man noch leichter mit der Overlock-Maschine einen Endlos-Streifen schneiden kann. Aber dazu muss man die Nadeln ausbauen. Und nachdem ich neulich FÜNF STUNDEN LANG damit beschäftigt war, die Nadeln meiner Overlock-Maschine zu wechseln, und wegen akuten Versagens nach 4:45 Stunden dann doch wieder die alten eingesetzt habe, kam das nicht in Frage. Obwohl die Technik mit dem Overlock-Messer super aussieht. (Es waren echt fünf Stunden, und es hat trotz Hilfe aus der passenden Facebook-Gruppe nicht geklappt, sondern mir einen fetten blauen Fleck vom vor-Wut-gegen-den-Nähtisch-Treten eingebracht. Die alten Nadeln laufen jetzt wieder wie am Schnürchen.)

Na ja, zurück zum Thema: Nach dem Zusammensetzen der Stoffteile werden erst die „Knubbel-Teile“ der Druckknöpfe eingesetzt, anschließend der Einfassstreifen rund um die gesamte Kante genäht (bei mir waren das etwa 2,80 m) und dann umgeschlagen so aufgesteppt, dass er die Druckknopf-Rückteile verdeckt. Ja, und wenn man da einfach mal so drauflosmacht, sich nicht konzentriert, nicht vorher gründlich nachdenkt und vor allem beim Vorbeirattern an den Druckknöpfen den „Hä?!“-Moment beiseitewinkt mit der gedanklichen Beschwichtigung „Sieht falsch aus, muss aber bestimmt so, wird sich schon noch ergeben“, dann sieht das nachher so aus:dsc_0579Definitiv soll das nicht so. Schon gar nicht mit Orange! Ich hatte extra eine doofe Farbe genommen, weil man sie ja nachher eh nicht mehr sieht. Denkste! Ich war sogar zum Fluchen zu entsetzt. Verwerfen kam aber auch nicht in Frage, schließlich hatte ich den Jersey extra gehütet, und dazu fand ich ihn auch zu schön. Ich hab einen Moment lang überlegt, ob ich den Streifen einfach abschneide, aber dann hätten wieder die Druckknöpfe am Rand nicht gepasst, und außerdem hatte ich nicht mehr genug schwarzes Bündchen für noch mal drei Meter Streifen.

Ergo habe ich das als meditative Aufgabe betrachtet und drei Stunden lang aufgetrennt. Immerhin hab ich mich nicht gepiekt dabei. Man muss wohl auch die positiven Aspekte betrachten. Und das „Schwarz auf Schwarz“ war bestimmt ein supergutes Augentraining!

Jetzt wusste ich, wie es gehen soll, und hab es richtig gemacht. Trotzdem war auch die neue Runde Einfassen frustrierend. Ich musste vor den Druckknopf-Nasen anhalten. Der Nähfuß ging einfach nicht drüber. Ich hab es mit dem Reißverschluss-Fuß versucht, aber auch das hat nicht viel geholfen, und am Ende habe ich die Nadel nach ganz links gestellt und sie an den Druckknöpfen vorbei frei laufen lassen, ohne Druck auf den Stoff. Das hat den Einfassstreifen fixiert, und an der Stelle war Schwarz auf Schwarz wieder ein Glücksfall, aber reingucken darf man in die Jacke jetzt eigentlich nicht mehr.dsc_0593Hach ja, und außerdem hab ich nach dem letzten Druckknopf gemerkt, dass ich die Seiten wohl nicht so sauber übereinandergelegt hatte, wie ich gemeint hatte. Da gibt es einen sehr deutlichen Versatz zwischen rechts und links.dsc_0591Nun vertraue ich drauf, dass das in meinem bewegten Alltag keiner bemerkt und die Glitzerstellen auf dem Stoff das Auge ausreichend ablenken. Außerdem steh ich dazu. Perfekt ist wann anders.

Die Ärmel sind nun wirklich sehr lang geworden und ich hätte vermutlich an den Schultern doch nicht Größe 44 gebraucht. Insgesamt empfinde ich die Jacke als eher üppig ausgefallen. Aber ich hab bestimmt eine Menge dran gelernt. Das nächste Mal weiche ich von der Anleitung ab und setze die weibliche Druckknopf-Hälfte in die verdeckte Knopfleiste. Und zu lange Ärmel sind besser als zu kurze. Abschneiden geht immer noch.

Immerhin kann ich als Bilanz ziehen, dass Cardigans nicht pauschal ungeeignet an mir sind, wenn denn Stoff und Schnitt stimmen. An der Umsetzung kann ich ja noch arbeiten.

Verlinkt zu RUMS

2 Kommentare zu „Die Sache mit der Konzentration…

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