Allgemein

Andere Länder, andere Sitten…

Im gerade beendeten USA-Urlaub haben wir drei Tage auf einer Farm mitten im Amish Country verbracht, und die Farmbesitzerin hat mir den freundlichen Tipp gegeben, wo die Amischen Frauen ihre Stoffe kaufen – bei Zook’s Dry Goods in Intercourse, Philadelphia. Ich gehe nämlich schon immer gern im Ausland in den Supermarkt und gucke mir an, was es dort so gibt, und seit einer Weile mache ich das auch mit Stoffläden so.

Die Farmbesitzerin hatte schon berichtet, dass die Kleider der Amischen Frauen immer aus Polyester sind, weil das so pflegeleicht ist. Auf eine größere Auswahl an Polyester-Stoffen war ich also eingestellt. Der Laden war von vorn unauffällig, innen aber sehr tief und dadurch wirklich groß. Sicher sechs oder sieben Gänge von jeweils acht Metern waren beidseitig mit Stoffen gefüllt. Ich habe den ganzen Laden besichtigt und war baff: Es gab weder Sweat noch Jersey. Nicht mal nur eine kleine Auswahl, es gab GAR NICHTS. Das war echt eine Art Kulturschock der anderen Art.(Ich bitte um Entschuldigung für das schlechte Handyfoto, aber Fotografieren geht für Amische eigentlich gar nicht. Das musste aus der Hüfte sein.) 

Unglaubliche Auswahl gab es wirklich an Polyester-Bekleidungsstoffen, und die auch in schönen Farben und Strukturen. Der Rest des Angebots waren Webstoffe, fast alle für Haushaltswaren und Quilting. Ein bisschen Filz, Füllmaterial und Stepp hab ich noch gefunden, aber das war’s. Mir ist dann aufgefallen, dass die Kinder in Amischen Familien wirklich von Anfang an Kleider, Hemden und Hosen tragen, da braucht es keinen Jersey. Ich hatte aber gedacht, dass der Laden auch ein bisschen die ungläubige Nachbarschaft bedient. Tat er nicht.Ich habe ein Stück Stoff mit Lochstickerei gekauft (wahrscheinlich gedacht als Gardinenstoff, ich werde ihn anders nutzen) und ein Stück wirklich schönen Molton mit Koi-Motiv. Bunten bzw. bedruckten Molton kenne ich hier kaum, das fand ich mal ein besonderes Mitbringsel. Typisch amerikanisch ist aber wieder, dass das direkt bedruckt ist mit „nicht für Kinder-Schlafkleidung gedacht!“ Nicht, dass da jemand Schadenersatz vom Hersteller verlangt, wenn beim wöchentlichen Hausbrand Hautschäden durch den Schlafanzug verursacht werden… Die spinnen, die Amerikaner! Und ich finde den Stoff total plausibel für eine Schlafanzughose, so kuschelig, wie der ist.Als Touristin geoutet hab ich mich spätestens (wenn schon nicht durch meine kurzen Hosen), als ich an der Kasse fragen musste, ob sie mir mal zeigen könnte, wieviel ein Yard ist. So weit reichte meine Allgemeinbildung nämlich nicht.

Spannend war’s!

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