Allgemein · Kindersachen

Stoffrecycling – für kleine Matrosen

Für eine Familienveranstaltung an der Ostsee sollten meine kleinen Stöpsel Segel- oder Bootsmann-Outfits anziehen, am besten im Partnerlook. Das hatten sie nicht. Überhaupt haben sie wirklich wenige schlichte Stücke im Kleiderschrank, mich verleiten zu oft die Musterstoffe zum Kaufen.

Für die Gelegenheit habe ich ein altes weißes T-Shirt der Hauptperson bei der Veranstaltung zweckentfremdet (und zerschnitten). Es war so groß, dass ich aus einem Erwachsenen-T-Shirt zwei Kindershirts in 92 und 110/116 entstehen lassen konnte. DSC_2908 (2)DSC_2910Ich hatte schon seit Monaten das Matrosenkragen-Tutorial von Susanne Firmenich (Hamburger Liebe) in der gedanklichen Warteschlange, konnte mich aber nie zum Umsetzen aufraffen. Die Kragen werden zur Verstärkung hinterbügelt. Und ich hasse Vlieseline… Der Anlass passte nun aber zu gut, also habe ich mir doch einen Ruck gegeben. Apropos Musterstoffe – ich hatte natürlich keinen einfarbig dunkelblauen Jersey für die Kragen im Stoffregal. Also doch, schon, aber nicht mehr genug für zwei Kragen. Na denn nicht; mit maritimem Grundthema habe ich etwas gefunden.

Als Grundschnitt sollte es ein Oberteil mit V-Ausschnitt sein. Das hatte ich für Kinder nicht parat, habe das Knopfshirt von Lillesol & Pelle zweckentfremdet und dessen Ärmel gekürzt. Das Knopfshirt hat einen geschwungenen Ausschnitt, der eigentlich für die Knopfleiste eingeschnitten wird. Letzteres habe ich mir gespart und hatte damit einen abgerundeten V-Ausschnitt.

Der Matrosenkragen im Tutorial hat blattförmige Spitzen auf der Vorderseite, die dann ähnlich einer Krawatte zusammengehalten werden. Das hat nicht zu hundert Prozent meinen Geschmack getroffen und war mir für meine kleinen Rabauken auch zu feminin. Deshalb habe ich mich entschieden, den Kragen – den man ohnehin frei Hand zeichnen muss – nach vorn in geraden Bändern auslaufen zu lassen. Für eine saubere Optik sind im Tutorial Belege vorgesehen. Die habe ich auch vom Schnitt abgezeichnet.DSC_2911 (2)Ein paar Schritte (Vlieseline in den Kragen bügeln, wenden, absteppen) später sollten Shirt, Kragen und Beleg aufeinandergesteckt werden. Das hab ich mit dem kleineren Modell gemacht und stand dann ratlos wie auch staunend vor dem größeren. Der Beleg passte überhaupt nicht. Nicht um einen Zentimeter nicht, wo ich vielleicht unsauber zugeschnitten hatte, sondern Ü-BER-HAUPT nicht. Da fehlten mehr als fünf Zentimeter. Wahrscheinlich hatte ich irgendwas falsch gemacht, der größere Beleg passte aufs kleinere Shirt und der Rest nicht mehr zusammen. Na wie auch immer, ich habe die Fehlersuche flugs beendet und die Zeit besser damit verbracht, einen neuen Beleg zuzuschneiden.

Respekt hatte ich davor, den Beleg an der geschwungenen Ausschnittkante vorn umzuklappen und sauber abzusteppen. Das ging erstaunlich gut. Unklug von mir war nur gewesen, nicht zwischendurch die Fadenfarbe an der Nähmaschine zu wechseln. Ich bin durchgehend bei Dunkelblau geblieben, und das sieht an der vorderen Kante des weißen Shirts ziemlich unschön aus, wo die Fäden durch das enge Wenden sichtbar werden. Faulheit rächt sich!DSC_2920DSC_2919 (2)Das Absteppen habe ich, wie in der Anleitung vorgeschlagen, mit einer dreifädigen Covernaht erledigt, und der Effekt auf Weiß gefällt mir gut. Das entschädigt ein bisschen dafür, dass ich keinen dunkelblauen Kragenstoff hatte. Der weiße T-Shirt-Stoff war übrigens, wenn man Lillestoff und Swafing als Standard gewohnt ist, eine echte Qual zu verarbeiten. Er war hart, wenig dehnbar und – nachvollziehbar – ausgewaschen. Als Stoffbestellung hätte ich ihn wutentbrannt wieder verpackt, mit einem rauchenden Begleitbrief an den Versandhändler zurückgeschickt und Entschädigung verlangt. Oder zumindest so in etwa. Für diesen Anlass, bei dem es um den ideellen Wert des T-Shirts ging, war das ja keine Option, aber mir ist beim Nähen bewusst geworden, wieviel einfacher ich mich mit schönen Materialien tue. Ist das Snobismus oder geht das auch anderen so?

 

Verlinkt auf creadienstag, Für Söhne und Kerle und Handmade on Tuesday.

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