Allgemein · Kindersachen

Luxusprobleme im Detail

Der Bandeinfasser meiner Coverstitch-Maschine und ich werden langsam Freunde. Wenn es denn klappt, ist das wirklich ein Glücklichmacher. Man sitzt vor der Maschine, lässt entspannt die beiden Stoffe ineinanderlaufen und guckt zu, wie hinter der Nadel herrliche Säume hinauslaufen. Als wichtigstes Utensil dabei hat sich für mich die Pinzette erwiesen. Ob ich das Bündchen nun schräg anschneide oder frontal einfädele, das erste Knicken muss ich doch meist irgendwie unterstützen. Und dafür hab ich einfach zu dicke Finger.

Ich hatte mich bisher trotz akuten Bedarfs davor gescheut, dem großen Stöpsel Unterhemden zu nähen. Für so wenig Stoff haben die Dinger abwegig viele Säume, bestehen sogar fast nur aus Saum, und das machte mir einfach nicht genug Spaß. Klar, das sieht jetzt anders aus. Ich habe also einen Rest Pingu-Parade von Hamburger Liebe rausgekramt, passende orangefarbene Bündchen zugeschnitten und stand dann eine Weile vor meiner Garn-Sammlung. Orange gab es nicht. Rot ist zu anders. Blieben bei grauer Grundfarbe mit weiß-grün-orangen Pinguinen Grau und Grün. Es lagen noch mehr zugeschnittene Teile herum, ich bin zum ständigen Fadenwechseln zu bequem, und in der Gesamtschau war dann Grün plausibler. Auch wenn der Kontrast auf Orange mir mutig vorkam.

Unterhemd-Schnitte gibt es wie Sand am Meer. Ich hatte noch einen in Größe 110 auf Butterbrotpapier, den ich aus dem Lillestoff-Buch mit der bescheuerten Unterhosen-Nähanleitung abgepaust hatte. Für ein Unterhemd brauche ich zweifellos keine Anleitung, da kann ich das Buch gepflegt ignorieren.

Das Nähen an sich ist keine Kunst: eine Schulternaht schließen, den Halsausschnitt einfassen, anschließend die zweite Schulternaht schließen und die Armlöcher einfassen. Dann folgen ja nur noch die Seitennähte und der Saum. Die Krux ist, die eingefassten Kanten mit der Overlock-Maschine zusammenzusetzen. Da muss sie über sechs Lagen Bündchen und zwei Lagen Jersey, und das liebt sie nicht. (Zum Nachzählen: Auf der Oberseite ist das Bündchen gefaltet, macht zwei Lagen, auf der Unterseite ist das Bündchen einfach, das ist die dritte Lage, und das Ganze ergibt sich doppelt, weil man Vorder- und Rückseite aufeinandernäht.) Die Maschine erledigt den Job, braucht aber gern mal eine Hilfestellung in Form von Ziehen an der Fadenraupe nach hinten, und wenn sie das dicke Stück dann geschafft hat, hüpft sie so beschwingt über den nächsten Zentimeter mit nur zwei Lagen Jersey, dass das immer irgendwie unsauber wird.

Ob das an meiner Maschine liegt oder einfach für jede Overlock eine Herausforderung ist – keine Ahnung. Im Dezember mache ich einen zweitägigen Nähkurs bei Babylock und werde da mal Luxus-Maschinen testen. Vielleicht kommt dabei ein Aha-Effekt. Bis dahin nehme ich meine Luxus-Sorgen gern in Kauf.

Das Unterhemd jedenfalls ist sehr ordentlich geworden, aber wenn ich mir selbstkritisch die Verbindungsstellen für die gesäumten Kanten ansehe, dann bin ich doch nicht uneingeschränkt zufrieden. Da muss ich wohl mal andere Wege ausprobieren, mit meinem Maschinenpark ans Ziel zu kommen…DSC_2590 (2)

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