Allgemein · Kindersachen

Natürlicher Auflösungsprozess

Von einer Freundin habe ich neulich ein wunderschönes Stück Kleidungsfilz bekommen, hellgrau mit leichtem Farbverlauf, herrlich weich und vor allem so groß, dass ich zuversichtlich war, daraus eine Klimperklein-Strampelhose für das Stöpselchen schneidern zu können. Viel kuscheliger als Wollwalk und bestimmt mindestens so warm. Tatsächlich hat es gerade so gereicht, auch wenn ich am Rücken stückeln musste. Damit bin ich offensiv umgegangen und habe eine breite Ziernaht auf das angesetzte Teil und die Rückennaht gesetzt. Das war ohnehin gut geeignet, um die Nahtzugaben schön flach zu fixieren. Umbügeln fällt schließlich bei Filz naturgemäß aus.

Filz direkt auf der Babyhaut fand ich dann aber nicht so eine angenehme Vorstellung, deshalb habe ich die Hose als Wendehose zugeschnitten und einen kontrastreichen Lillestoff dagegengenäht. Eine Herausforderung waren die Nahtzugaben an den Stoffkanten. Ganz stehenlassen wollte ich sie nicht, weil die Träger dann so dick geworden wären. Kurz abschneiden birgt aber das Risiko, dass sich der Filzrest dann beim Wenden nicht mehr schön nach innen umklappen lässt und den dünnen Jersey nach außen drückt, so dass sich keine saubere Kante zum Absteppen ergibt. Auch hier: Festbügeln ist nicht. Ich habe also zwei bis drei Millimeter stehen lassen und beim Absteppen sehr penibel darauf geachtet, die Kante sauber unter den Nähfuß zu führen. Stecken ergab auch keinen Sinn; die Stoffe sind so unterschiedlich fest, dass sie zwischen den Nadeln doch immer wieder ein Eigenleben in ihrer neuen Liaison entwickelt hätten.

  
Geklappt hat das super, und auch Wenden durch die Wendeöffnung war trotz des Filzvolumens kein Problem. Allerdings habe ich mir gespart, die Bündchen zwischen die beiden Stoffe zu nähen, weil ich dem Stöpselchen die Hose ohnehin nicht mit dem Filz nach innen anziehen will.

Die Tragepremiere hat mich erst mal glücklich und zufrieden gemacht: Die Hose sitzt, macht alle Bewegungen mit, und jedes Wickeln hat kuschelwarme Babyhaut bewiesen.

Ziemlich ernüchtert war ich allerdings, nachdem die Hose das erste Mal einen Kita-Tag mitgemacht hatte. Da wird anscheinend mehr auf dem Teppich rumgerutscht als zu Hause, und dadurch zeigte die Hose ihren fetten Haken: Sie lässt Wollflusen los wie verrückt. Das hat mich erst mal tierisch frustriert, bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass das doch eigentlich egal ist. Das Kind kümmert es nicht, bis zum Sommer wird die Hose sich schon nicht aufgelöst haben, und nächsten Herbst passt sie wahrscheinlich sowieso nicht mehr. Was schaden also ein paar Fusseln, die den langsamen Zerfall des Filz-Popos einleiten? Da muss ich mich einfach mal locker machen!

   
 

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